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Kesselkapitell

Ident. Nr.: 4468

ObjID: obj:1610666

Details (Expert)

Datierung
6. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite: 34 x 47 cm (Durchmesser der Säule: 23 cm)
Gewicht: 71,8 kg

Objektbeschreibung

Das Kapitell besteht über dem als Taustab gebildeten Halsring aus einem korbförmigen Kapitellkörper, auf dem unvermittelt eine hohe, zu den Seitenmitten eingezogene Deckplatte (Abakus) mit klotzförmigen Mittelknäufen aufsitzt. Die Mittelsenkrechte der Kapitellseite bilden zwei zu Schlaufen verschlungene Ranken, von denen waagerecht gezackte Blattlappen von Akanthus wegstreben, deren Spitzen sich untereinander und mit denen der benachbarten Seiten berühren. Mit Blättern sind auch die Abakusknäufe belegt.
Breite, rechtwinklige, senkrechte Einlassungen auf zwei gegenüberliegenden Seiten beweisen, dass das Kapitell in einer Tür oder Fensteröffnung saß. Die Schlitze dienten zur Aufnahme des hölzernen Rahmens. Dass diese Vertiefungen ursprünglich sind, geht daraus hervor, dass der Reliefschmuck auf diese Vertiefungen Rücksicht nimmt.
Die Anordnung der Akanthusblätter wie auch das tiefe Zurückarbeiten der Zwischenräume zwischen den Blättern ahmt vereinfachend iustinianische Vorbilder aus der Hauptstadt des byzantinischen Reiches, aus Konstantinopel nach, wie sie etwa in der Hagia Sophia erhalten sind; provinziell wirkt aber die Art, in der die Deckplatte plump und unorganisch dem Kapitellkörper aufgesetzt ist.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)