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Schiffe am Bollwerk

Ident. Nr.: SZ Feininger 13

ObjID: obj:1611597

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Lyonel Feininger (1871 - 1956),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1933
Provenienz
Lyonel Feininger,
bis 27. August 1933
Galerie Ferdinand Möller,
27. August 1933 bis November 1934
Kauf: Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
November 1934 bis 1992
Überweisung: Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin,
seit 1992
Material / Technik
Feder, Tusche, Aquarell
Abmessungen
Blattmaß: 23,0 x 29,2 cm
Erwerbung
Im November 1934 angekauft in der Galerie Ferdinand Möller, Berlin.

Objektbeschreibung

Feininger arbeitete in Berlin vorwiegend als Karikaturist. 1906 bis 1907 ging er nach Paris. Nach Berlin zurückgekehrt wurde er durch die Vermittlung von Alfred Kubin 1913 mit dem Künstlerkreis des »Blauen Reiter« bekannt. Seine bereits expressive Sprache veränderte sich unter dem Einfluß von Marc, Macke, Kandinsky und besoders Paul Klee zu einem abstrahierend kristallinen Formwillen. In seinen Gemälden splittert er Landschaften und architektonische Gebilde kaleidoskopartig auf. In dem kristallinen Gestaltungsprinzip, das landschaftliche und urbane Gefüge gleichermaßen segmentiert, fand Feininger zu einer kubistischen Sonderform. Die hochaufragenden Kirchtürme zahlreicher Gemälde, Druckgraphiken und Zeichnungen erinnern in ihrer flächenhaft zerlegten Darstellung an Segelschiffe im Hafen. Durch Kindheitserlebnisse mit selbstgebauten Segelbooten am See des Central Parks in New York ausgelöst, ist Feininger sein ganzes Leben vom bewegten Dasein der Schiffe fasziniert. Gegen Mitte der 20er und verstärkt in den 30er Jahren entstanden mehrere Aquarelle, in denen sich Feininger seinem Wunschtraum annähert, »Marine-Maler« zu werden. Immer wieder reist er an die Ostsee. Im Juli und August 1933 beobachtet er die Schiffe in Deep in Pommern und baut selbst Schiffsmodelle. Die feingliedrige Federzeichnung der Schiffe am Bollwerk läßt dem freien Spiel der Linie kaum Raum, die Geraden sind mit dem Lineal gezogen, die Farbe ist in die Begrenzung sorgfältig eingelegt. Die Dreiteilung der schwarzweiß-roten Flagge am mittleren Mast des Dreimastschoners bildet in ihrer Wiederholung die Grundfläche, auf der sich die Szene bewegt. Dennoch wirkt die streng lineare, geometrische Zeichnung weder dekorativ noch gezwungen, sie folgt der meditativen Stille der ruhigen See.

Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 456, Kat. VIII.21 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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