Logo

Gefäß mit Ranke

Ident. Nr.: 3498

ObjID: obj:1612881

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 2.-4. Jahrhundert
Systematik/Art
Material / Technik
Ton, bemalt
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 48,8 x 29,8 cm
Gewicht: 5,98 kg
Erwerbung
Im Auftrag der Berliner Königlichen Museen durch J. Strzygowski am 9.11.1900 in Achmim-Stadt im Handel erworben

Objektbeschreibung

Das hohe Vorratsgefäß wurde in mehreren aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten zusammengefügt. Sowohl der obere Rand mit Hals als auch der teils modern ergänzte Boden mit einem Standring wurden auf der Töpferscheibe gefertigt, an den separat aus zwei oder mehr Teilen gefertigten Gefäßkörper angefügt und überarbeitet. Dies belegen horizontale Drehspuren an Boden und Rand sowie im Gefäßinnern deutlich. Das Vorratsgefäß aus Nilton ist einfach geglättet und zeigt sowohl auf seiner Außen- als auch Innenseite vereinzelt Fingerkuppenabdrücke, horizontale Verstreich- und geringe Spatelspuren sowie einen hohen Anteil feiner ausgebrannter Strohpartikel, Kalksteineinschlüsse und vereinzelt auch Sandkörner als Magerungsbestandteile. Durch die deutlich geknickte Wandung des Gefäßkörpers war es nötig, das Gefäß während des Fertigungs- und Trock- nungsprozesses mit mehreren Naturfasern beziehungsweise Schnüren zu stabilisieren, was anhand der horizontalen Schnureindrücke auf der Gefäßoberfläche unterhalb des Wandungsknicks zu erkennen ist. Vor dem Brennen fügte man drei kleine Henkel direkt an den Hals und die Mündung an, bevor diese und die obere Gefäßhälfte zunächst mit einer cremefarbenen Tünche gleichmäßig überzogen und abschließend mit stilisierten, zum Teil zweifarbig, in schwarzbraun und rot, aufgemalten Weinranken und geometrischen Formen dekoriert wurden.

Literatur: R. El-Sayed und K. Lakomy, Funde aus Ahmim-Panopolis in den Staatlichen Museen zu Berlin. I. Spätantike Keramikgefäße im Museum für Byzantinische Kunst, in: Jahrbuch der Berliner Museen NF 56, 2014 (2017), S. 35-37, Nr. 1

Konstantin Lakomy (2017)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kindertunika

Kindertunika

Die vollständig erhaltene Kindertunika besteht aus einem einzigen Gewebestück aus ungefärbtem Leinen. Sie wurde, wie die meisten Tuniken aus dem spätantiken bis früh-islamzeitlichen Ägypten, quer gewebt, das heißt, der Weber oder die Weberin begann und endete mit den Ärmeln. Vorder- und Rückenteil mit den typischen parallelen Zierstreifen (clavi) lagen folglich bei der Herstellung horizontal auf dem Webstuhl, der Halsschlitz dagegen senkrecht. Für die Herstellung dieser Kindertunika war eine Webstuhlbreite von mindestens 131 cm erforderlich, was der doppelten Länge der Tunika entspricht. Alle Dekorelemente, die Ärmelstreifen, die beiden clavi sowie die Hals- und Nackenborte, sind direkt in das Grundgewebe eingewirkt worden. Die farbigen Wollfäden sind in den Ärmelstreifen völlig und in den übrigen Wirkereien zum Teil ausgefallen. Auch der Halsschlitz in der Mitte des Gewebes entstand bereits während des Webvorgangs. In diesem Bereich kehrten die Schussfäden beidseitig um, wodurch man einen geraden Spalt erhielt. Die fertig gewebte Tunika hatte die Form eines großen Kreuzes. Nach der Abnahme vom Webstuhl musste sie um 90 Grad gedreht und in der Horizontalachse gefaltet werden. Die Seiten und Ärmel waren ursprünglich bis auf einen Bewegungsschlitz unter den Achseln geschlossen. Heute sind die Nähte gelöst, Spuren von Einstichlöchern und Nähgarnreste sind noch erkennbar. Die Ärmel wurden zum Handgelenk hin etwas schmaler. Dafür schlug man die Längsseiten schräg nach innen ein. Eine kleine Stopfstelle in der Mitte des Vorder- bzw. Rückenteils beweist, dass Kleidung mit großer Sorgfalt behandelt wurde, so dass sie lange getragen werden konnte.Die clavi und Ärmelstreifen sind mit jeweils einer Reihe herzförmiger roter Blätter in heller Umrandung auf grünem Grund verziert. Jede Reihe endet mit länglichen halben Ovalen. In den Zwickeln sind kleine rote Punkte zu erkennen. Die herzförmigen Blätter kehren im doppelten Zierstreifen an der Halsöffnung, diesmal jedoch liegend, wieder. Darunter setzt eine Bogenreihe an. Die Flächen zwischen den Säulen mit verdickten Enden als Basis sind mit roten, dunkelvioletten und gelben gestielten Blättern mit heller Binnenzeichnung gefüllt.Ein wellenförmiges Randmotiv, das gemeinhin als „laufender Hund“ bezeichnet wird, verläuft zu beiden Seiten der clavi und Ärmelstreifen sowie an der oberen Kante der Zierstreifen an der Halsöffnung. Diese Kante ist zusätzlich mit einer geflochtenen, rot-weißen Schnur eingefasst.Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 12-13, Nr. 1(Cäcilia Fluck 2017)