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Johannes der Evangelist

Ident. Nr.: 7696

ObjID: obj:1616466

Details (Expert)

Datierung
um 1280
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 52 x 22 x 18,5 cm
Gewicht: 5 kg
Erwerbung
1915 als anonymes Geschenk ins Inventarbuch eingetragen.

Objektbeschreibung

Johannes sitzt schreibend und mit gesenktem Haupt auf einer Thronbank mit profilierten Seiten und glatter Rückwand. Die blockhafte Komposition und klare Ausrichtung auf die drei wichtigsten Ansichtsseiten verrät einiges über die Arbeitsweise des Bildschnitzers, die an die architektonisch geprägte Auffassung eines Steinmetzen erinnert. Das konzentriert wirkende Gesicht wird seitlich gerahmt von stark gelockten und voluminösen Strähnen und oben von eingerollten Locken, die wie das flache Haar auf der Kalotte relativ grob gerillt sind.
Die Übernahme von Kompositionsprinzipien von einem anderen Bildtyp, dem der thronenden Muttergottes mit Kind, erklärt sich durch die Seltenheit des Themas in der Holzskulptur. Darstellungen des schreibenden Evangelisten Johannes sind zwar seit dem frühen Mittelalter geläufig, doch in erster Linie in der Buchmalerei und Elfenbeinkunst, nicht aber als plastisches und schon gar nicht als Einzelbildwerk, als das man die Berliner Statue möglicherweise ansehen muss.


Auf der Brust befindet sich eine Vertiefung, in der über einem roten Papier ein durchsichtiger Stein oder Glas, vielleicht sogar eine Reliquie eingelassen war. Handelte es sich um ein Reliquiendepositorium, wäre dies ein Indiz für einen Altarzusammenhang. In Frage kommen Kirchen in oder um Arras, zum Beispiel der schon früher bezeugte, Johannes und Matthäus geweihte Altar in der Abteikirche Saint-Vaast.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 22.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)