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Der Greif

Ident. Nr.: 93-1888

ObjID: obj:1616555

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Israhel van Meckenem (der Jüngere) (vor 1450-10.11.1503),
Stecher*in
Entwurf: Martin Schongauer (1440/45 - 1491),
Stecher*in
Material / Technik
Kupferstich
Abmessungen
Blattmaß: 12,3 x 9,6 cm

Objektbeschreibung

Der Greif ist ein mythisches Tier altägyptischen Ursprungs (4. Jtsd. v. Chr.), dessen Körper aus Löwe und Adler gebildet ist. Plinius d. Ä. beschrieb ihn in seiner Enzyklopädie Naturalis Historia (um 50 n. Chr.) bereits als Fabelwesen mit gekrümmtem Schnabel. Der Glaube an seine Existenz hielt sich jedoch bis weit über das Mittelalter hinaus. Der größte aller Vögel galt als königliches Symbol, als Beherrscher von Erde und Luft. Zu seinen Eigenschaften zählen Wachsamkeit, Schnelligkeit und Stärke, was ihn zum unbesiegbaren Wächter und Beschützer machte. Besonders als Wappentier war der Greif beliebt, oft wurde er auch im Kampf dargestellt. Van Meckenem, einer der wichtigsten deutschen Stecher des 15. Jahrhunderts, kopiert hier eine Vorlage (mit Bocksfüßen) von Martin Schongauer.

Letzte Aktualisierung: 16.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien.Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe.Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlandentätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen.Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)