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Der Nachhauseweg (Blatt 2 aus: "Die Hölle")

Ident. Nr.: G 60/19.2 (Gal. des 20. Jh.)

ObjID: obj:1616565

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Max Beckmann (1884 - 1950),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: 1919
Material / Technik
Lithographie, Ex. 26/75
Abmessungen
Bildmaß: 73,3 x 48,8 cm
Blattmaß: ca 87,0 x 61,0 cm

Objektbeschreibung

Auf dem Umschlag des Mappenwerks stellt Beckmann sich selbst dar. Sein lithographiertes Porträt mit angstvollen, weit aufgerissenen Augen befindet sich unter der Aufschrift: »Die Hölle (Großes Spektakel in 10 Bildern von Beckmann)«. Unterhalb des Bildnisses steht der Text: »Wir bitten das geehrte Publikum näher zu treten. Es hat die angenehme Aussicht sich vielleicht 10 Minuten nicht zu langweilen. Wer nicht zufrieden bekommt sein Geld zurück.«
Beckmann benutzt in Wort- und in tatsächlichen Bildern das Theater, den Zirkus, den Jahrmarkt oft als Metaphern für das Leben und seine Schrecknisse, um sie in solch distanzierender Einkleidung bestehen zu können. Die zehn Blätter der »Hölle« entstanden im Laufe des Jahres 1919, nachdem Beckmann im März Berlin besucht hatte, wo kurz zuvor der »Spartakusaufstand« niedergeschlagen worden war. Zu den vielen Opfern gehörten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht; bei dem folgenden »Märzaufstand« wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Mit seinem Zyklus antwortet Beckmann sowohl auf die Geschehnisse des deutschen Bürgerkriegs jener Monate als auch auf den Ersten Weltkrieg, an dem er als Sanitätssoldat nur kurze Zeit teilnahm bis er 1915 psychisch und körperlich zusammenbrach.
Im »Nachhauseweg«, dem Eingangsblatt der Folge, tritt er erneut auf, nun in einer nächtlichen Begegnung mit einem verstümmelt aus dem Krieg heimgekehrten, wahrscheinlich blinden Soldaten. Der Gegensatz zwischen dem bürgerlich mit Hut, Anzug und Krawatte gekleideten und eine Zigarre in der Hand haltenden Künstler und dem Kriegsversehrten mit dem zerstörten Gesicht könnte schärfer nicht sein, und Beckmann überträgt die dem Zusammentreffen innewohnende Spannung motivisch und formal auf die ganze Szene.
Auf den Hund vorn, der sowohl von Schrecken erregt wie auch bedrohlich erscheint; auf die Raumschneise in der Mitte, wo er eine Frau in fülligen Formen nahe an zwei mit Krücken sich fortbewegende Kriegsinvaliden rückt. Und er verbildlicht sie in der - sei es in der Fläche oder im Raum - berstenden Dichte der Gegenstände, die insbesondere rechts und oben über die Rahmenlinie hinausdrängen.
In deutlicher Verwandtschaft zu den Hauptfiguren des »Nachhausewegs« konfrontiert er 1921 in dem Kaltnadelblatt »Der Neger« einen Schwarzen als Jahrmarktattraktion mit einer Mischgestalt aus Harlekin und Pilatus und dann, 1946, ganz offen »Christus und Pilatus« in der Lithographienfolge »Day and Dream« (beide ebenfalls im Kabinett). Wie der durch seine Hautfarbe Gezeichnete, so ist auch der Verstümmelte eine moderne Vergegenwärtigung des Ecce Homo.

Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 465 f., Kat. VIII.31 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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