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Bass

Ident. Nr.: 32-1965

ObjID: obj:1617730

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Georges Braque (1882 - 1963),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1911
Abmessungen
Blattmaß: 65,5 x 50,0 cm
Plattenrand: 45,6 x 32,9 cm

Objektbeschreibung

Der Titel des Blattes leitet sich her von dem Wort Bass, das rechts oben in der Darstellung selbst erscheint. Er könnte also auch vin, Café oder Journal lauten, denn auch diese Begriffe sind – teils fragmentarisch – eingeschrieben in die kubistische, weitgehend abstrakte Komposition. Zwar läßt sich hier und dort Gegenständliches ausmachen wie die Zeitung links unten und die Holzmaserung rechts oben, aber ansonsten gibt es nur sehr wenige Anhaltspunkte für den Motivbestand, von dem Braque ausging. Beim Kubismus, den er gemeinsam mit Picasso seit 1907 entwickelte (vgl. Ident. Nr. KdZ 27448), wird nach zwei Werkphasen unterschieden, der »analytischen« und der »synthetischen«. Nach dem Jahr ihrer Entstehung zu urteilen, gehört die Radierung der erstgenannten Phase an, in der die Gegenstände nach gängiger Meinung »analysiert« werden, indem die Summe ihrer Teilansichten gleichzeitig auf der Leinwand oder dem Papier wiedergegeben wird. Wie hier zu studieren, lag Braque, im Unterschied zu Picasso in dieser Zeit, aber offenbar nicht viel daran, daß der Betrachter erkennt, welche Motive in den Blick des »Analytikers« genommen wurden. Vielmehr ging es ihm offenbar darum, in einem Verfahren, das den Mitteln der Poesie verwandt ist, eine lyrische Stimmung zu erzeugen, die sich bei genauer Kenntlichkeit des Dargestellten nicht einstellen würde.
Daß er von den vier zitierten Begriffen, die in ihrer Gesamtheit selbst schon eine zu erinnernde Atmosphäre lebendig werden lassen, gerade »Bass« als Titel auswählt, ist bezeichnend, denn die Wahl findet ihre Entsprechung im Bild. Das Bildfeld ist durchsetzt von sich wiederholenden Senkrechten, von gehäuft auftretenden, zuweilen gegenläufigen Diagonalen, von Stufenformen, mehrmals erscheinenden, dicht beieinander stehenden kleinen Rundformen und von größeren Kreis- oder Halbkreisgebilden, die über die ganze Fläche verteilt immer wieder anzutreffen sind. Auf solche Weise entsteht in der Fläche eine Rhythmisierung der Formen, die auch für Musikstücke – jene von der nicht schwerblütigen Art – kennzeichnend ist.

Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 438, Kat. VIII.2 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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