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Christus heilt die Aussätzigen

Ident. Nr.: 457-38

ObjID: obj:1617752

Details (Expert)

Beteiligte
Giuseppe Niccolò Vicentino (um 1500 - um 1550),
Holzschneider*in
Parmigianino (Francesco Mazzola) (1503 - 1540),
Inventor*in
Datierung
Herstellung: um 1540 - 1550
Abmessungen
Blattmaß: 30,3 x 42,2 cm
Erwerbung
1835 von Karl Ferdinand Friedrich von Nagler, Berlin, erworben

Objektbeschreibung

Seit Raffael und bis weit in das 17. Jahrhundert hinein war das Bildmotiv der dicht gestaffelten, scharf überschnittenen und gestikulierenden Gruppe adorierender Menschen äußerst beliebt. Auch die Invention Parmigianinos, von Popham in dessen römische Zeit datiert (1523-27), wurde gleich mehrfach und in wiederum untereinander abhängigen Varianten reproduziert. Dem Clairobscur Vicentinos muß jedoch das erhaltene Original – eine gleichgroße, lavierte Federzeichnung – als Vorlage gedient haben (Popham 1971, Bd. 1, Nr. 690, Abb. Bd. 2, Taf. 133).
Wie ein Faksimile, welches nicht nur das Motiv, sondern auch den Charakter einer Handzeichnung zu imitieren versucht, gibt der Holzschnitt sowohl die Gesamtanlage als auch die offene Struktur dieses Entwurfs wieder. Das wird an den skizzenhaft belassenen architektonischen Versatzstücken des Hintergrunds sichtbar. Die Wirkung des vorliegenden Abzugs ist jedoch gegenüber der lichten Zeichnung und den anderen Varianten wesentlich intensiver. Vicentino geht hier auch auf die Gefahr hin, Umrisse und Binnenstrukturen gänzlich zu verlieren, das Wagnis ein, auf dem schon dunkeltonigen Grund die Strich- und eine der Tonplatten Schwarz auf Schwarz drucken zu lassen. Wenige, fleckenhafte Weißaussparungen erzeugen nervöse Reflexlichter auf der Oberfläche. Das außergewöhnliche Verfahren steigert die Kontraste und damit den Chiaroscuro-Effekt aufs Höchste. Er korreliert mit dem Geschehen, der wunderbaren Heilung der Leprösen. Das Kabinett besitzt einen weiteren Abzug des ersten Zustands (Inv. Nr. 39-1882; Tonplatten in Sandgelb und Ocker) sowie zwei verschiedenfarbige Abzüge des verbreiteten zweiten Zustands mit der Verlegerangabe von Andreani in Mantua, datiert 1608.

Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 262, Kat. V.21 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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