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Der Abend

Ident. Nr.: AM 105-1956

ObjID: obj:1618843

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Philipp Otto Runge (1777 - 1810),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: um 1805
Abmessungen
Plattenrand: 71,3 x 47,9 cm
Blattmaß: 84,3 x 49,5 cm

Objektbeschreibung

Zusammen mit seinem Gegenstück »Der Morgen« und den zwei anderen Darstellungen »Der Tag« und »Die Nacht« gehört das Blatt zur »Zeiten«-Folge, die Runge während der Dresdner Jahre, zwischen Weihnachten 1802 und Juli 1803, in Zeichnungen erarbeitete und später, um bekannt zu werden, als Kupferstiche verbreiten ließ (siehe auch „Der Morgen“, „Der Tag“ und „Die Nacht“ von Philipp Otto Runge im Online-Katalog).
Den von den Dresdner Stechern Johann Gottlieb Seyfert, Johann Adolph Darnstedt und (Ephraim Gottlieb) Krüger ausgeführten und in zwei Auflagen 1805 sowie 1807 bei Perthes (Hamburg) erschienenen Umrißstichen liegen diesen motivisch vollkommen entsprechende Federentwürfe des Künstlers zugrunde. Die im Kupferstichkabinett komplett vertretene Folge entstammt der zweiten, vermutlich in 250 Exemplaren gedruckten Auflage. Das ehemals hier vorhandene und von Traeger ( Nr. 280 A-283 A) irrtümlich als Dahlemer Bestand attestierte Exemplar aus der extrem seltenen, nur in 25 Drucken pro Blatt vertriebenen ersten Auflage zählt zu den Kriegsverlusten.
Ursprünglich gedacht als »Zimmerverzierungen« für Bürgerhäuser, veränderten die einzelnen Darstellungen während der Bearbeitung durch den Künstler ihre Gestalt. Aus einfachen Arabesken wurden kunstvoll komponierte, große symbolträchtige Kompositionen, die sich wegen ihrer »schillernden Mehrsinnigkeit« trotz zahlreicher bis in die Gegenwart unternommener Deutungsversuche wohl kaum je werden restlos entschlüsseln lassen.
Für das Verständnis von Runges romantischer Kunstauffassung sowie sein künstlerisches Schaffen spielt die »Vier Zeiten«-Folge eine zentrale Rolle. Mittels einer symbolisch-allegorischen Bildersprache versucht diese ein philosophisch- abstraktes Weltbild zu veranschaulichen, das alle Bereiche »vom Dasein des Menschen, von Weltgeschichte und Natur, vom ewigen Wesen und seiner Entäußerung, vom Wesen des Universums« umfaßt und zueinander in Beziehung setzt. Die vier Blätter bestehen jeweils aus einem großen Mittelfeld, in dem die Natur- und Lebensprozesse dargestellt sind, und einer christliche Glaubensinhalte vermittelnden, kommentierenden Randleiste.
Unter sanften Musikklängen sinkt die Welt im »Abend« in Dämmerung. Währenddessen erhebt sich oben, über einer Wolkendecke, hinter aufstrebenden Mohnblumen und Mohnkapseln die in sternendurchwirkte Schleier gehüllte Allegorie der Nacht. Zwei Waldhorn blasende sowie zwei einschlummernde Genien sitzen bzw. lagern ihr zur Seite auf den Blumenstengeln. Der »grenzenlosen Vernichtung der Existenz in den Ursprung des Universums« - wie Runge selbst den »Abend« beschrieb - sind im Rahmenfeld verschiedene christliche Symbole entgegengestellt. Sie beziehen sich auf den Opfertod Christi und gipfeln in der lichtverklärten zentralen Kind-Figur des Erlösers mit dem Lamm. Als tröstendes Zeichen »des neuen herrlichem Aufgangs, des ungetrübten Tags« (Milarch) halten zwei Engel Sonnenblumen herab, die ihr Licht von der Sonne Christi empfangen.

Text: Sigrid Achenbach, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 364f., Nr. VII.10 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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