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Bildnis des Baron Schwiter

Ident. Nr.: 403-1921

ObjID: obj:1618868

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Eugène Delacroix (1798 - 1863),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: um 1826
Material / Technik
Lithographie
Abmessungen
Blattmaß: 21,9 x 19,4 cm

Objektbeschreibung

Delacroix hinterließ nur relativ wenige graphische Bildnisse, von denen die meisten Freunde oder Bekannte seines engeren Bekanntenkreises darstellen. Sie alle teilen einen Charakterzug: die Privatheit des Ausdrucks und den Verzicht auf jegliche Repräsentation.
Doch erbrachte er gerade auch in diesem Bereich hervorragende Leistungen, die den wesentlich bekannteren übrigen Werken durchaus ebenbürtig sind. Das bedeutendste Beispiel stellt unsere Lithographie dar.
Es handelt sich um ein Porträt des mit Delacroix befreundeten jungen Malers Louis Auguste Schwiter (1805-1889), der um dieselbe Zeit auch von ihm gemalt wurde. Während das Gemälde (National Gallery, London) den Dargestellten in Ganzfigur vor einer Landschaft zeigt und die dandyhafte Eleganz seiner Erscheinung herausstellt, gibt die Lithographie mit der sitzenden Halbfigur Schwiters eine mehr in die Tiefe gehende Deutung der Persönlichkeit. Sie verzichtet auf jedes von der Person ablenkende Beiwerk und konzentriert den Blick auf das von wild aufgebürstetem Haar umrahmte Gesicht mit den melancholischen Augen, der fleischigen Nase und dem sinnlichen, leicht spöttisch gepreßten Mund. Der Kopf bleibt im Halbdunkel, wird aber durch die blendende Weiße von Weste und Plastron besonders betont. Mit der bewegten Oberflächenstruktur der Darstellung liefert Delacroix nicht nur ein Bravourstück seiner Kunstfertigkeit im Medium Lithographie. Durch den Wechsel von tiefschwarzen und hell-dunklen Zonen aus gestrichelten, geschabten und gekratzten Partikeln entstehen suggestive, flackernde Effekte, mit denen weitere Wesenszüge des Porträtierten optisch Ausdruck finden: dessen geistige Lebendigkeit und innere Unruhe. In exemplarischer Weise bringt Delacroix' Baron Schwiter romantische Porträtauffassung zur Geltung.

Text: Sigrid Achenbach in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 383f., Kat. VII.32 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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