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Hagen erschlägt Ortlieb (Der sterbende Ortlieb im Schoße der Kriemhild; nach dem Nibelungen-Lied)

Ident. Nr.: SZ J.Schnorr 40

ObjID: obj:1618870

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Julius Schnorr von Carolsfeld (1794 - 1872),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1847
Provenienz
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Abmessungen
Blattmaß: 14,7 x 20,9 cm

Objektbeschreibung

Unser Blatt steht fast am Ende der langjährigen Beschäftigung Schnorrs mit dem Stoff des Nibelungenliedes. Eingesetzt hatte diese 1827 in München, als der Künstler, von König Ludwig l. aus Rom an die Münchener Akademie berufen, sich mit der Ausmalung von Sälen des neuen Residenzflügels mit Themen aus den »Nibelungen« zu befassen hatte. Im gleichen Jahr war eine Neuübertragung des großen Epos von Karl Simrock erschienen und das Interesse an ihm belebte sich stark. Ein erster Entwurf zu dieser dramatischen Szene war bereits 1829 entstanden, als daraus zunächst ein Hauptbild im »Saal der Rache« werden sollte (München, Graphische Sammlung; Inken Nowald: Die Nibelungenfresken von Julius Schnorr v. Carolsfeld im Königsbau der Münchener Residenz 1827-67, Kiel 1978, Nr. 148). Schnorr, den die Arbeit an den anderen Sälen bis 1834 beschäftigte, mußte die Fortsetzung des Nibelungen-Zyklus infolge des Auftrages, inzwischen die Kaisersäle in der neuen Residenz auszumalen, bis 1843/44 unterbrechen.
Im Prozeß der Wiederaufnahme und Vollendung ist das vorliegende Blatt entstanden. Schnorr disponiert in der Akzentuierung mancher Themen um, und Ortliebs Tod erscheint nur noch als Supraporte über der Eingangstür. Ganz nach unserem Blatt erfolgte auch dort die Ausführung. Die im ersten Plan figurenreiche und vor einem mehrschichtigen architektonischen Hintergrund sich vollziehende Szenerie ist auf die Hauptpersonen zurückgeführt. Der Stilwandel zugunsten einer bewegteren und dramatischeren, gestenreicheren Auffassung ist im Werk Schnorrs vollzogen. Das bewegt inszenierte, blutige Geschehen ist kompositionell ganz auf den sterbenden Ortlieb im Schoß der entsetzten Kriemhild bezogen. Alle drei, die Mutter, Hagen, der grimmige Mörder, und Etzel, der erschütterte Vater, agieren wie auf einer Bühne in dieser Schlüsselszene des grausigen Spiels.

Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 392f., Nr. VII.42 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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