Logo

Im Café - Au Café (1. Fassung)

Ident. Nr.: 85-1975

ObjID: obj:1618914

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Edouard Manet (1832 - 1883),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1874
Weitere Titel
Sammlungstitel: Im Café - Au Café (1. Fassung)
Au Café
Abmessungen
Blattmaß: 26,5 x 33,3 cm

Objektbeschreibung

Der Blick führt vermutlich in das an der Grande Rue de Batignolles (heute Ave. de Clichy) gelegene legendäre Pariser Cafe Guerbois. Es war während der 1860/1870er Jahre einer der wichtigsten Treffpunkte des Manet-Kreises. Viele mit Manet befreundete impressionistische Künstler wie Monet, Renoir, Sisley, Pissarro, Cezanne, Fantin-Latour, Degas und Schriftsteller wie Emile Zola kamen hier regelmäßig zum angeregten intellektuellen Meinungsaustausch zusammen. Eine solche Gesprächsrunde könnte hier mit schnellen Federstrichen festgehalten sein. Als mögliche Alternative für die dargestellte Lokalität wird in der Literatur »La Belle Polonaise de la Brasserie Reichshoffen« (Bailly-Herzberg 1985) genannt.
Von dem Motiv existiert eine weitere, technisch weniger gelungene, aber im zeichnerischen Duktus ebenso freizügige Pinsel-Fassung, die nur in zwei Exemplaren bekannt ist. Eines davon trägt rückseitig eine Illustration des französischen Karikaturisten Bertall mit dazugehörigem Text und dem genauen Datum vom 21. Februar 1874. Aus diesem Grunde werden die beiden Cafehausdarstellungen heute nicht mehr - wie noch in der älteren Literatur - 1869, sondern erst 1874 datiert. Auch nimmt man an, daß die Pinsel-Fassung für die Publikation in einer Zeitschrift bestimmt war. Entsprechend einer von Fisher aufgestellten, letztlich aber nicht bewiesenen These ist die traditionell immer als Umdruck-Lithographie beschriebene zweite Version im Zinkätzungsverfahren (genannt Paniconographie od. Guillotage) reproduziert und nicht wie bei der Lithographie auf Stein, sondern auf eine Zinkplatte umgedruckt. Das vorliegende Blatt sowie die ihm vorausgehende Federzeichnung im Fogg Art Museum (1869 dat.) hätte Manet demzufolge ebenfalls schon im Hinblick auf eine Zinkübertragung und die geplante (bisher unbekannte) Zeitschriften-Publikation konzipiert, jedoch aus technischen Gründen für diesen Zweck verworfen. Beide Fassungen des Cafehauses stellen Manets erste Versuche mit dem damals wiederentdeckten Umdruck dar, einem der Unmittelbarkeit der Skizze Vorschub gebenden Verfahren, das sowohl bei der Lithographie als auch bei der Guillotage eingesetzt wird. Er bediente sich dessen auch in seinen bedeutenden Illustrationen zu E. A. Poes »The Raven« (übersetzt von Mallarme, 1875 erschienen) und nutzte es dort dann in letzter Konsequenz.

Text: Sigrid Achenbach, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 400f., Nr. VII.52 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Nach dem Verlorenen Sohn ist der Teufel, der, während die Landarbeiter schlafen, Unkraut zwischen den Weizen sät, wohl das um 1600 am häufigsten dargestellte Gleichnis Jesu. De Gheyn zeigt sich in der Weise, wie die ganze Landschaft von einer Spannung ergriffen wird, die in der Hauptfigur kulminiert, als einer der führenden Manieristen. Obwohl Studienzeichnungen erhalten sind, in denen das Modell dem links am Baum Schlafenden ähnelt, wird jede Naturwahrheit zugunsten des Ausdrucks zurückgestellt. Von dem in Bewegungsrichtung des feindlichen Sämannes abschüssigen Feld über die bizarren Kopfweiden bis zu den Pilzen, die vorn ganz unwahrscheinlich auf dem frisch gepflügten Acker sprießen, kündigt sich Unheil an, das nicht nur durch den Teufel versinnbildlicht wird, sondern auch in den Hexenreitern am brodelnden Himmel, mit denen der Zeichner weit über den Bibeltext hinausgreift. Im scharfen Gegensatz dazu stehen rechts die idyllisch schlafende Gruppe und links die ruhigen Tiere, die schweren Säcke mit dem Saatgut und der nach dem reichlichen Mittagsmahl ruhende Arbeiter. In diesen Themen ist de Gheyn auf der Höhe der Zeit; auch andere Künstler wie vor allem A. Bloemaert zeichnen in diesen Jahren das bäuerliche Leben, wobei der Ton immer auf Muße und Verfall liegt. Die biblische Geschichte gibt de Gheyn die Möglichkeit, dies mit Zügen seiner Hexensabbat-Darstellungen zu verbinden, mit denen er Salvator Rosa vorangeht.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 190, Kat. IV.31 (mit weiterer Literatur)