Logo

Die Trägheit (La Paresse)

Ident. Nr.: 167-1897

ObjID: obj:1618922

Details (Expert)

Datierung
Herstellung: 1896
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Trägheit (La Paresse)
La Paresse
Provenienz
Siegfried Bing (1838-1905),
1897
Material / Technik
Holzschnitt auf Velinpapier
Abmessungen
Blattmaß: 17,8 x 22,3 cm
Erwerbung
1897 bei Siegfried Bing, Maison de l'art nouveau, Paris, erworben

Objektbeschreibung

Obwohl Vallotton den größten Teil seines Lebens der Malerei widmete, auch radierte und lithographierte, so entfaltete sich doch seine Begabung am reinsten im Holzschnitt. Die seit Beginn der 1890er Jahre bis zur Jahrhundertwende in Paris entstandenen, schon früh gewürdigten Holzschnitte machten ihn bald weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt und beeinflußten mit ihrer plakativen Flächenhaftigkeit eine ganze Generation jüngerer Künstler wie Edvard Munch [Online-Katalog], Nicholson, Kandinsky oder den Expressionisten E. L. Kirchner.
Vallottons Stil verdankt der japanischen Holzschnittkunst wesentliche Anregungen. Im Umgang mit den Malern der Nabis-Gruppe um Maurice Denis [Online-Katalog] sowie im intellektuellen Klima des um den Verleger der symbolistischen Avantgarde-Zeitschrift »La Revue Blanche« gebildeten Kreises präzisierten sich seine Vorstellungen einer neuen, ornamental-dekorativen Flächenkunst und fanden ihre eigene Sprache. Ein ausgeprägter Realitätssinn und die scharfe, gelegentlich sarkastische Interpretation von Wirklichkeit unterscheiden ihn bei allen Gemeinsamkeiten von den Nabis-Freunden. Diese nannten Vallotton treffend »nabi étranger«, womit sie sowohl auf seine schweizerische Herkunft als auch auf seine Eigenart anspielten.
»La Paresse« gehört nicht nur aufgrund ihres erotischen Reizes zu den bekanntesten und am meisten geschätzten Holzschnitten Vallottons. Der junge E. L. Kirchner ließ sich 1905 durch dieses Blatt zu mehreren Holzschnitten mit verwandten Aktdarstellungen inspirieren. Höchst wirkungsvoll setzt Vallotton hier die weißen klaren Formen von Akt und Katze einem schwarzflächigen Untergrund entgegen. Auf dem Bett und in der Kissenzone durch gliedernde Streifen sowie abwechslungsreiche Musterungen belebt, unterstreicht er durch seine spannungsvolle Dynamik die lethargische Sinnlichkeit des Aktes, der sich selbstvergessen der Katze widmet.

Text: Sigrid Achenbach, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 420f., Nr. VII.71 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Rhenen von Westen

Rhenen von Westen

Jacob van Ruisdael gilt als der bedeutendste niederländische Landschaftsmaler, eine Gattung, die in kunsttheoretischen Schriften keinen hohen Rang einnahm.Nur eine weitere Ansicht Rhenens durch van Ruisdael ist erhalten (St. Petersburg); sie zeigt die Stadt aus entgegengesetzter Richtung. Beide müssen auf der Reise nach Bentheim entstanden sein, die der Künstler 1650/1653 unternahm. Das beliebte Motiv des Turmes der Cunera-Kirche als mächtigem, die Landschaft beherrschenden Kennzeichen, wird durch van Ruisdael auf die Spitze getrieben, indem er einen Blickwinkel wählt, der den Baublock der Kirche selbst hinter dem Turm verschwinden läßt, während von dem benachbarten großen Palast, den Friedrich V. von der Pfalz, der sogenannte Winterkönig, sich hier im Exil von Bartholomeus van Bässen hatte bauen lassen, nur die Dächer zu sehen sind. So kann der Kirchturm, in dessen Schatten sich der ganze Ort zu ducken scheint, bei van Ruisdael zum Angelpunkt einer asymmetrischen, aber wohlbalancierten Komposition werden. Dynamik entsteht durch die von links vorn nach rechts hinten schwingende Linie von Weg und Ufer, während die mit großer Leichtigkeit auf das Blatt gesetzten Wolken ein raffiniertes Gegengewicht zu dem aus der Mitte gerückten Turm bilden. (Um so schmerzlicher stört die übergroße Besitzermarke des Zaren.)Typisch für van Ruisdael ist die spürbare Distanziertheit vom Gegenstand, z.B. das Fehlen menschlicher Figuren, die der Darstellung einen Ernst, ja eine Strenge verleiht, die bei anderen holländischen Landschaftern selten zu finden sind.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 222, Kat. IV.75 (mit weiterer Literatur)

Der Petersfriedhof in Salzburg

Der Petersfriedhof in Salzburg

Zwei mehrwöchige Salzburger Aufenthalte wurden für Ferdinand Olivier in den Jahren 1815 und 1817 zum künstlerischen Schlüsselerlebnis. Wie auch die anderen deutschen Maler seines Wiener Umkreises, die in diesen Jahren die Landschaft des Salzkammergutes entdeckten, fand er hier zu seiner gültigen Landschaftsauffassung. In zahlreichen, zum Teil erst nach seiner Rückkehr in Wien ausgeführten Blättern verbindet er die Motive der Stadt und der Bergwelt zu kunstvollen Kompositionen, Höhepunkte seiner Zeichenkunst.Schon beim ersten Aufenthalt faszinierte ihn der Petersfriedhof, häufiges Motiv bei der romantischen Entdeckung Salzburgs. Er stellte ihn mehrfach in ganz verschiedenen Jahr 1816 datiert eine Bleistiftzeichnung von seiner Hand (Kupferstichkabinett, Dresden; Ludwig Grote: Die Brüder Olivier und die deutsche Romantik, Berlin 1938, Abb. 136), die er mit geringen Unterschieden zweimal wiederholt: durch eine Bleistift- und Rötelzeichnung (Staatliche Galerie, Dessau) und die vorliegende Federzeichnung. Sie wird als unmittelbare Vorarbeit für die Lithographie des Sonnabend-Blattes der Folge »Sieben Gegenden aus Salzburg und Berchtesgaden, geordnet nach sieben Tagen der Woche« gedient haben (vgl. Grote 1938, Abb. 137). Die Resonanz, die seine Zeichnungen von Salzburg und Folge von Lithographien in Wien auszuführen. Sie erschien 1823. Die Ansicht zeigt den Petersfriedhof mit dem Blick auf die frühbarocke Arkaden-Reihe und die sich darüber erhebende Nagelfluh-Wand zwischen Mönchsberg und Festungsberg mit der Maximin- und Gertrauden-Kapelle sowie den frühchristlichen Katakomben. Rechts erhebt sich die spätgotische Margarethen-Kapelle. Der Friedhof mit seinen Gräbern und Kreuzen, die Kapellen, schließlich der Begräbniszug im Hintergrund entlang der Arkaden: das alles sind neben der Freude am Motiv auch Aufforderungen des romantischen Künstlers, der Vergänglichkeit des Menschen stets gegenwärtig zu sein.Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 369, Nr. VII.15 (mit weiterer Literatur)