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Bordellszene

Ident. Nr.: KdZ 2630

ObjID: obj:1619180

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Esaias van de Velde (1587 - 1630),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1629
Provenienz
Friedrich Heimsoeth (1814-1877),
bis 1877
Auktion F. A. C. Prestel (Friedrich Heimsoeth, 1814-1877),
bis Mai 1879
Abmessungen
Blattmaß: 20,0 x 32,4 cm

Objektbeschreibung

1612, im selben Jahr wie Willem Buytewech, in die Haarlemer Gilde eingetreten, wird Esaias van de Velde neben diesem einer der bedeutenden frühen Landschaftsmaler Haarlems. Zugleich ist er auch ein geistreicher Genremaler und -Zeichner. Unser Blatt ist, da die letzte Ziffer wohl keine Null ist, wie bisher angenommen, 1629 datiert; zu dieser Zeit war van de Velde Hofmaler des Oranischen Prinzen in Den Haag, wohin er 1618 gezogen war.
Es handelt sich bei der Darstellung um das in Holland so beliebte Thema des Soldaten im Bordell. Im Mittelgrund ist gewissermaßen das allgemeine Thema recht drastisch angegeben, indem links der Freier sich in eindeutiger Weise mit seinem Mädchen beschäftigt, während rechts ebenso deutlich die Rolle des Alkohols betont wird. In der Mittelgruppe des Vordergrundes wird ein weiteres Genußgift, der Tabak, zum Anlaß eines hübschen Spiels zwischen der jungen Frau, die dem Soldaten, auf dessen Schoß sie sitzt, eine Pfeife aufdrängt – zeitgenössischen Emblembüchern nach zu urteilen ein Attribut voller sexueller Anspielungen. Durch die von hinten an der Lehne ziehende Frau wird die heikle Lage des Paares gleichsam statisch thematisiert.
Nur nebenbei erinnert eine im Hintergrund die Zeche ankreidende Frau daran, daß alles seinen Preis hat. Dagegen gibt die mit Nadeln an der rechten Wand befestigte Zeichnung einen deutlicheren Kommentar ab. Dort kniet ein Mann mit gefalteten Händen vor dem Futtertrog von Schweinen, eine oft dargestellte Etappe
des tiefsten Elends im Gleichnis vom Verlorenen Sohn. Die Bordellszene deshalb als Verlorener Sohn bei den Dirnen anzusehen scheint kaum möglich, da es offenbar drei Kandidaten für die Hauptrolle gibt. Übrigens hat das Gleichnis ja, wie manche anderen auch, eine subversive Bedeutung, was von modernen Ikonologen meist vergessen wird: Der Verlorene Sohn, nicht der tugendhafte, ist der schließlich mit Freude wieder aufgenommene. Andererseits zeugt unsere Zeichnung davon, daß im Zusammenhang mit dem Genrethema über die biblische Geschichte nachgedacht wurde.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 205, Kat. IV.52 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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