Logo

Hasenjagd

Ident. Nr.: 79-1912

ObjID: obj:1620521

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Pieter Bruegel (der Ältere) (ca. 1525 - 1569),
Stecher*in
Hieronymus Cock (um 1510),
Herausgeber*in
Datierung
Herstellung: 1560
Material / Technik
Radierung
Abmessungen
Höhe x Breite: 22,3 x 29,1 cm Plattenrand

Objektbeschreibung

Die frühesten bekannten Landschaftszeichnungen Bruegels (aus dem Jahr 1552) waren Naturaufnahmen, die unberühmte Gegenden treffsicher und stimmungsvoll festhielten. Offenbar entsprach diese Haltung nicht den Kunstanschauungen der Zeit, denn schon im selben Jahr ging der Künstler dazu über, Landschaften zu komponieren aus hohen Bergen, weiten Tälern und einem Strom, der sich ins offene Meer ergießt. Es ist, als hätte man den beschränkten Gesichtskreis des Menschen uninteressant gefunden, verglichen mit einer visionären Wiedergabe eines Stücks Welt, wie es ein menschliches Auge kaum je sehen kann, es sei denn, er stünde auf hohem Berg oder schwebte wie ein Vogel übers Land. Solche Wiedergabe der Lebensbühne »aller« Menschen regt an zu distanzierterem Ansehen der eigenen Person, jedenfalls zu mehr Nachdenklichkeit. Darüber hinaus will die Radierung Bruegels - die einzige, die er selbst radiert hat - noch mit der Lebensweisheit eines Sprichworts belehren; leider aber fehlt auf dem Unterrand des Blattes die Aufschrift, die uns aufklärt. Vielleicht: wer auf zwei Hasen zielt, trifft keinen. Wer das rechte Ziel, d.i. Gott, verfehlt, fällt dem Teufel anheim. Der hinter dem Baum hervortretende Jäger könnte als Menschenjäger, d.i. Teufel, gemeint sein. Spekulationen und Mehrdeutigkeit waren dem manieristischen Geschmack besonders reizvoll.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 184, Kat. IV.23 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)