Logo

Das Gastmahl des Belsazar

Ident. Nr.: 973-14

ObjID: obj:1620533

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jan Muller (1571-1628),
Stecher*in
Belsazar,
Erwähnte/Dargestellte Person
Material / Technik
Kupferstich
Abmessungen
Blattmaß: 35,8 x 40,6 cm

Objektbeschreibung

Der babylonische König Belsazar, der in lästerlicher Absicht die silbernen und goldenen Geräte des jüdischen Tempels zum Siegesmahl verwenden läßt, sieht mitten im Rausch des Festes eine feurige Hand das Menetekel an die Wand schreiben. Allein der Prophet Daniel vermag ihm schließlich die Worte zu entschlüsseln, die den Untergang seiner Herrschaft vorhersagen.
Außer Belsazar selbst scheint noch niemand die schreibende Hand entdeckt zu haben und dennoch geben die Vogelgesichter, die seltsamen Gewänder und das zuckende Licht der ganzen Szene etwas Drohendes. Jan Muller prunkt mit manieristischen Kunstgriffen, von dem schmukken Krieger links vorn, über kostbare zeitgenössische Goldschmiedestücke wie die Kanne rechts, die Tischaufsätze und den Leuchter, bis hin zu den überlängten Gestalten, ihren teigigen Gliedmaßen und Physiognomien und schließlich dem durch die Tafel erzeugten rasanten Tiefenzug der Komposition. Die vielfachen Lichteffekte der Nachtszene zeigen, daß künstliche Beleuchtung, lange bevor die Caravaggisten aus Italien zurückkamen, ein wichtiges Thema der niederländischen Kunst war.
Die in Amsterdam (Inv. 00.597) aufbewahrte Vorzeichnung zu unserem Kupferstich beweist die Autorschaft der Komposition durch den hervorragenden Goltzius-Stecher selbst, der später in die Rubenswerkstatt wechselt. In der ausgestreckten Hand des Königs ehrt er den großen Haarlemer; es ist dessen verkrüppelte Stecherhand, Anlaß vieler Anekdoten, die Muller aus einer Darstellung von Goltzius selbst übernommen hat.
Die Komposition, die niederländischen und Prager Manierismus mit venezianischen Elementen verbindet, hat eine große Nachfolge gefunden, aus der nur "ein Antwerpener Gemälde in Hannover (Inv. PAM 785) und das Bild Johann Heinrich Schönfelds (Bayer. Staatsgemäldeslg., Inv.10786), des bedeutenden deutschen Barockmalers, genannt seien.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 191, Kat. IV.32 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der große Liebesgarten

Der große Liebesgarten

Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien.Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe.Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlandentätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen.Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)