Logo

Bacchantenzug

Ident. Nr.: KdZ 14717

ObjID: obj:1622998

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Gabriel Jacques Saint-Aubin (1724.04.14),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1779
Geografische Bezüge
Abmessungen
Blattmaß: 14,5 x 22,7 cm

Objektbeschreibung

Der wegen seiner Vielseitigkeit und Originalität hochgeschätzte Künstler betätigte sich vor allem als Zeichner, Radierer und Buchillustrator. Er war u.a. Schüler von François Boucher. In Allegorien, Genreszenen, Darstellungen aus dem öffentlichen und privaten Leben hielt der Künstler geistreich fest, was ihm an Bemerkenswertem auffiel und wurde dadurch zum Chronisten seiner Zeit. Saint-Aubins Verhältnis zur Zeichnung wird als ein geradezu manisches geschildert. Die Skizzen seiner Streifzüge durch die Stadt enthalten oft neben der Angabe des Standortes das genaue Datum und die Uhrzeit. Gelegentlich gibt es sogar Angaben zum Wetter. Berühmt sind Saint-Aubins kommentierte Randzeichnungen in Ausstellungs-, Sammlungs- und Versteigerungskatalogen, die wegen ihrer Genauigkeit heute als Quellenwerke betrachtet werden.
Die Tatsache, daß dieser lebenssprühende, exotische Bacchantenzug wahrscheinlich kurz vor Ausbruch oder sogar schon während der zum Tode des Künstlers führenden Krankheit entstanden ist, berührt merkwürdig. Ungewöhnlich für Saint-Aubin sind auch das barocke Thema und die Dimensionen des Blattes. Arnolds deutete es aufgrund der Art der Schraffierung als Entwurf für eine nicht ausgeführte Radierung. Die mehrfache Signierung und der Randkommentar des Künstlers stützen diese These.

Text: Sigrid Achenbach in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 324, Kat. VI.22 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)