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Intarsierte Truhe (Cassone)

Ident. Nr.: O-1962,27

ObjID: obj:1632045

Details (Expert)

Datierung
Ende 15. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: Höhe x Breite x Tiefe: 87 x 215 x 71 cm

Objektbeschreibung

Die ungewöhnlich große Truhe ist ein schönes Exemplar dieses als cassone bezeichneten typischen Florentiner Möbels der Hochrenaissance. Sie steht fest auf einer dicken Bodenplatte, die mit ihrem ausladenden s-förmigen Karniesprofil den Sockelkasten schützt. Von der Truhenfront durch ein Zwischengesims getrennt, ist der Sockelstreifen von einem breit zusammengesteckten Würfelstab bedeckt, der ihm mit seiner illusionistischen Wirkung zu Leichtigkeit und stabiler Spannung verhilft. In der gleichmäßigen Rahmung der Truhenfront sitzt eine Reihe von vier nahezu quadratischen Füllungen mit gleichem Motiv: eine von einer ornamentalenen Blütenkette umrandete stilisierte Brunnenarchitektur. Im Kontrast zu diesen Füllungen ist die Front auf den Rahmen von einem feinen intarsierten Rankenwerk überzogen. Den Abschluss bildet ein schwerer Truhendeckel, der mit seinem profilierten Überstand und der an einen Sarkophag erinnernde Schräge nicht nur optisch Gewicht erhält. Schön ist der durch die Intarsie vorgetäuschte Zahnfries am Deckelrand und auch die Leichtigkeit, die dem Deckel mit dem perspektivischen Gitterwerk auf der Schrägen gegeben wird.
Die Truhe gehört auf Grund ihrer Größe zu den unbeweglichen Schaustücken der Innenausstattung eines Palazzo. Nach den Inventaren waren solche Prunktruhen häufig in der camera – dem Schlafraum und nach dem Festsaal bedeutendsten der herrschaftlichen Räume – zu finden. Auf Tizians berühmten Gemälde der Venus von Urbino (Gemäldegalerie Dresden) ist in einer Hintergrundszene zu sehen, wie mühsam diese Möbel zu handhaben waren: am besten hielt eine zweite Person den schweren Deckel geöffnet. In den Truhen wurde Wäsche oder auch der Goldschmuck der Aussteuer aufbewahrt. Häufig war das Innere durch Einsätze unterteilt.
ASt

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa