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Heilige Familie

Ident. Nr.: M 300

ObjID: obj:1632057

Details (Expert)

Beteiligte
Paul Egell (9.4.1691 - 1.10.1752)
Datierung
um 1745
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 40,8 x 29,3 x 8,6 cm (mit Sockel)
Höhe x Breite x Tiefe: 33,6 x 27,7 x 6,8 cm (ohne Sockel)
Höhe x Breite x Tiefe: 7,2 x 29,3 x 8,6 cm (Sockel)
Gewicht: 1114 g (Skulptur)
Gewicht: 730 g (Sockel)

Objektbeschreibung

Die vom kurpfälzischen Hofbildhauer Paul Egell geschnitzte Figurengruppe zeigt die "Heilige Familie" in einer sehr selten dargestellten Szene. Hier segnet der von seiner Mutter gehaltene und auf einem Altar stehende Christusknabe den demutsvoll vor ihm knienden Nährvater Joseph. Während der hl. Joseph in den traditionellen Darstellungen - wie bei der "Anbetung des Kindes" oder der "Ruhe der Flucht nach Ägypten" - meist nur als Assistenzfigur im Hintergrund erscheint, avanciert er hier nunmehr zum Protagonisten der Handlung. Das anmutige Figurengruppe spiegelt somit eindrücklich die allgemein anwachsende Verehrung des hl. Joseph wieder, die im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erfuhr.

Der greise Joseph hatte sich dem Willen Gottes gebeugt und die schwangere, vom Heiligen Geist empfangene Jungfrau geheiratet. Somit schütze er sie von den Beschuldigungen, sie habe sich verführen lassen. Erst durch seine Bereitsschaft sicherte er die Geburt des Jesusknaben. Juristsche Diskurse über sein Vaterschaftsverhälnis hemmten jedoch lange Zeit den Josephskult. Erst vor dem Hintergrund der spätmittelalterlichen Krisen wie Pest und Hungersnöte gewann der Nährvater Jesu immer mehr an Anerkennung. Vor allem in seinem vorbildlichen Verhalten als liebevoller Beschützer und Erzieher des Christusknaben erkannten die Kirchenväter schließlich seine zentrale Rolle im Plan der Erlösung, hatte doch sein Gehorsam die gefährdete Geburt Jesu erst ermöglicht. So wendet sich der auf einem Altar (!) stehende Jesusknabe hier nicht - wie sonst üblich - seiner Mutter zu, sondern seinem Nährvater Joseph, der mit vor der Brust gekreuzten Händen voller Demut vor ihm kniet, um seinen Segen zu empfangen.

Bei dieser anrührenden Figurengruppe könnte es sich entweder um ein intimes Andachtsbild handeln, das für den privaten Gebrauch in der Kammer eines geistlichen bzw. Gläubigen gedacht war, worauf vor allem auch die präzise, jegliche Empfindungen aller Beteiligten erfassende Ausführung schließen lässt, oder aber auch um das Modell für ein großes, vermutlich monumentales Bildwerk, das für das Zentrum eines Altares vorgesehen war. Der plastische, bereits in allen Details ausgearbeitete Entwurf konnte nicht nur dem Künstler, sondern auch dem Auftraggeber eine anschauliche Vorstellung der zukünftigen Skulpturengruppe vermitteln. Doch konnten bislang weder der Kommitent noch der Bestimmungsort des Werkes eindeutig nachgewiesen werden. Aufgrund des dargestellten Sujets lässt sich lediglich vermuten, dass die Gruppe der "Heligen Familie" für den Hauptaltar der um 1735 gegründeten Josephsbruderschaft in Simmern (Hunsrück) bestimmt gewesen sein könnte, zumal Egell zwischen 1735-40 dort nachweislich tätig war. Doch fehlen für diese Annahme bislang jegliche Beweise.
Der Bildhauer Paul Egell arbeitete u. a. unter Balthasar Permosser am Dresdner Zwinger, wo ihm eine der berühmten Hermen am Wallpavillon zugeschrieben wird. Gesichert ist hingegen seine dort um 1718-1719 entstande "Spielende Nymphe mit Putto" im Nymphenbad. Seine Arbeiten am Mannheimer Schloss, vor allem aber seine monumentalen und nunmehr fragmentarisch erhaltenen Altäre in Hildesheim und Mannheim (heute im Berliner Bode-Museum) begründeten seinen Ruhm an der Schwelle vom Barock zum Rokoko.

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

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Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler