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Essence Mulberry (State I)

Ident. Nr.: 84-1981

ObjID: obj:1633224

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Helen Frankenthaler (1928 - 2011),
Holzschneider*in
Ausführung: Tyler Graphics, Ltd., New York,
Verleger*in
Datierung
Herstellung: 1977
Abmessungen
Blattmaß: ca. 100,0 x 47,5 cm
Erwerbung
1981 von Tyler Graphics Ltd., New York, erworben

Objektbeschreibung

Helen Frankenthaler gehört zur zweiten Generation der Abstrakten Expressionisten, aber sie hat schon in den frühen fünfziger Jahren mit einzelnen Gemälden einen wichtigen Anteil an dieser Bildsprache, und sie demonstriert noch heute deren Vitalität. Ihr druckgraphisches Œuvre setzt 1961 ein, ist nicht umfangreich, aber von außergewöhnlicher Sensibilität in der Farbgebung und großer Viefalt der geweckten Assoziation.
Den ersten Anstoß zu »Essence Mulberry« erhält Frankenthaler von einer Ausstellung mit Holzschnitten des 15. Jahrhunderts im New Yorker Metropolitan Museum. Die Blätter waren von Hand koloriert und zeichneten sich durch besondere Transparenz der Farben aus. Denselben Grad an Transparenz möchte die Künstlerin auch mit gedruckten Farben erreichen, wobei sie zu ungewöhnlichen Mitteln greift.
So erinnert sie ein Maulbeerbaum in der Nähe der Druckwerkstatt von Tyler Graphics außerhalb von New York an die Farben jener frühen Holzschnitte. Sie fertigt eine Reihe von Zeichnungen mit aquarellierten Partien an, für die sie den ausgepreßten Saft der Früchte des Baumes verwendet, und dieser Saft wird dann auch eine der Druckfarben des Holzschnitts.
Er besitzt in seinem hellblauen Mittelfeld den erstrebten raumhaltigen, transluziden Charakter, der von den eher deckenden Farben in den Randzonen noch unterstrichen wird. Die verschiedenen Orts auftretenden kalligraphischen Elemente, die weite Leerfläche unten und das an ein Rollbild erinnernde schmale Hochformat verweisen auf Einflüsse der ostasiatischen Kunst, die Frankenthaler in besonderem Maße schätzt.
»Essence« meint einerseits dasselbe, wie der im Deutschen gebräuchliche Begriff Essenz, aber mit gleichem Recht ist das Wort auch in Geist oder Wesen zu übersetzen. Mittels seines Saftes ist das Wesen des Maulbeerbaums in Frankenthalers Holzschnitt inkorporiert.

Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 489f., Kat. VIII.55 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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