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Stehende Maria mit Kind

Ident. Nr.: 5887

ObjID: obj:1652256

Details (Expert)

Datierung
um 1320
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe: 73,5 cm
Breite: 27,2 cm
Tiefe: 18,5 cm
Erwerbung
1910 offenbar von Wilhelm von Bode auf eigene Kosten bei Paul Weigt in Straßburg erworben und anschließend den Museen als Geschenk überlassen.

Objektbeschreibung

Es handelt sich um kein repräsentatives Bildwerk, sondern um eine Figur, deren intimer Charakter und feine Details Nahsicht erfordern. Die Muttergottes hält das Kind sehr hoch über ihrer linken Hüfte, sodass eine unmittelbare und nicht nur angedeutete Blickbeziehung zwischen beiden möglich ist. Das Kind blickt unbefangen zurück und streckt seine rechte Hand nach Marias Wange aus, ohne sie jedoch zu erreichen. Der Arm ist frei gearbeitet, wie im Übrigen auch der abgebrochene linke Zeigefinger Marias, der sich zur Steigerung der grazilen Wirkung der Geste leicht vom Oberschenkel des Kindes gehoben hat. Realistisch ist die Gestaltung des nackten Oberkörpers, der kindlich gewölbten Arme und des gelockten Knabenköpfchens. In seiner linken Hand hält es den Flügel eines auf seinem linken Oberschenkel liegenden, wie leblos wirkenden Stieglitz; auch wenn der Vogel nicht direkt in den Finger des Kindes pickt, gilt er als Passionssymbol, da die roten Flecken an seinem Kopf als Symbol des Blutes Christi gedeutet werden. Die Einwicklung in Mantel oder Schleier Marias ist eine im 13. und 14. Jahrhundert gelegentlich auftauchende Anspielung auf das Lendentuch und somit den Kreuzestod Christi.
Die Figur hat von Beginn an vor einer Wand gestanden, wie die flache Bearbeitung der unteren Hälfte der Rückseite zeigt. Doch spricht die Durchformung des Schleiers auf der Rückseite dafür, dass man auch mit seitlich, jedoch nicht mit unterhalb der Skulptur stehenden Betrachtern rechnete. Nun sind ja bereits das Format, die feine Durchbildung aller Details und die Betonung der Intimität zwischen Mutter und Kind deutliche Indizien für einen eher privaten oder zumindest nicht repräsentativen Kontext, wie er zum Beispiel auf einem Kapellenaltar gegeben wäre. Der Betrachter wird zu einem intensiven und nahansichtigen Schauen aufgefordert. Die häufige Überfassung, der gute Erhaltungszustand auch der anfälligen Stellen wie der frei gearbeiteten rechten Hand des Kindes und das spätere Anbringen eines Strahlenkranzes deuten auf eine respektvolle Weiterverwendung in späterer Zeit. Das Bildwerk wurde offenbar nicht bekleidet, wie es seit dem späten Mittelalter häufig mit verehrten Marienbildern auf Altären geschah, sondern vielleicht im 17. Jahrhundert mit Ausnahme der Inkarnate vergoldet.
Das von der Forschung wenig beachtete Werk gehört zum Kreis der herausragenden lothringischen Madonnen der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Trotz der vermutlichen Herkunft aus Straßburg ist sie wohl nicht von einem lothringisch beeinflussten elsässischen Atelier geschaffen worden, sondern vermutlich in Metz.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei den zwei Fragmenten handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Sie zeigen einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten, die aus gebündelten Ranken bestehen, die herzförmig zusammenlaufen und in fächerförmigen Palmetten enden. Sie stammen aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)