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Maria mit dem Kind

Ident. Nr.: 3186

ObjID: obj:1655985

Details (Expert)

Datierung
um 1250/60
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 33 x 16,5 x 14 cm
Gewicht: 2 kg

Objektbeschreibung

Die thronende Muttergottes sitzt auf einer schlichten Thronbank; der später unregelmäßig ergänzte Sockel könnte auch ursprünglich fünf Seiten eines Achtecks ausgebildet haben. Da dieser Bereich sehr stark zerstört ist, bleibt unklar, ob sich zu den Füßen Marias ein kleiner Drache befunden hat. Maria lehnt sich zurück und stützt den auf dem Rücken liegenden Christusknaben, den sie nicht direkt berührt, sondern einem voluminösen, überproportionierten Zipfel ihres Mantels birgt – eine traditionelle Ehrerbietungsgeste.
Die rückseitig flache und dort kaum bearbeitete Figur stand wohl zunächst in einem kleinen Schrein vor einer Rückwand. Von der anhaltenden Beliebtheit derartiger überwiegend kleinformatiger Marienfiguren und ihrer sekundären Verehrung zeugen Überarbeitungen in späterer Zeit: Die Berliner Statuette erhielt eine Krone, wurde im Gewandbereich umgeschnitzt und vermutlich auch aus dem originalen Schrein entfernt, um in einem neuen Kontext präsentiert zu werden. Dabei erhielt sie auch mehrfach eine völlig andere Fassung, Inkarnate und Haare waren grün über Gold, möglicherweise um den Eindruck von Patina zu verstärken. Diese künstliche Alterung durch Dunkelfärbung älterer Figuren war besonders nach 1700 üblich, um den Alterswert eines verehrten Gnadenbildes hervorzuheben. Als ein solches könnte auch die Berliner Madonna gedient haben.
Zu Recht hat man im überlieferten Erwerbungsort ein Hinweis auf die mittelrheinische Herkunft der Statuette gesehen, wie mehrere Vergleichsstücke bestätigen. Die Madonna aus der Sammlung Schwartz, 1961 vom Museum Schnütgen erworben und bis 1914 in der ehemaligen Prämonstratenserabtei Rommersdorf (Kreis Neuwied), zeigt denselben Madonnentyp. Hier finden sich auch die wichtigsten Motive wieder: das halb lagernde Kind, dessen rechte Hand ausgestreckt ist, die Rose, das Kopftuch und der hinter seinem Rücken von Marias Hand gehaltene Mantelzipfel. Allerdings ist das Kind der Rommersdorfer Madonna stärker aufgerichtet, das Lächeln weniger ausgeprägt und die ganze Statur eindeutig gelängter. Diese Gruppe, als deren Ausgangspunkt die nach 1244 datierte Madonna aus der Gegend von Koblenz im Trierer Diözesanmuseum (Inv. 533) angesehen wird und zu der noch weitere Figuren gehören, wurden als Werke eines einzigen, aufgrund der Verteilung wohl in Koblenz beheimateten Ateliers angesehen. Es ist eher wahrscheinlich, dass einige der genannten Marienfiguren von Künstlern geschnitzt wurden, die wie die Berliner Statuette den durch die Trierer Madonna qualitätvoll vertretenen Typ lediglich wiederholen.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Junge Frau

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Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

Heiliger Nikolaus

Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)