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Engel

Ident. Nr.: 8025 c

ObjID: obj:1683478

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 1. Hälfte 14. Jahrhundert
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 9,1 x 3,5 x 1,5 cm
Gewicht: 11,9 g

Objektbeschreibung

Das kleine Engelsrelief gehört zu insgesamt sieben kleinformatigen Reliefs mit Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu, die dem Museum 1918 von James Simon geschenkt wurden. Sie sind rückseitig abgeflacht und dürften ursprünglich die Innenseiten zweier Flügel geschmückt haben, mit denen ein Schrein mit Marienfigur verschlossen werden konnte. Für eine Zuordnung des halbfigurigen Engels zu einer Szene mit der Geburt Christi spricht neben kompositorischen Gründen das teilweise abgebrochene Schriftband, auf dem die Anfangsworte des Introitusgesangs zum Hochfest der Geburt Christi „puer natus [est nobis]“ (Jes 9,5) zu lesen waren, die im Hochmittelalter eine zentrale Rolle in der Weihnachtsliturgie einnahmen. Eine kunsthistorische Einordnung der als westdeutsche Krippenfiguren des 13. Jahrhunderts erworbenen, der Forschung bislang völlig unbekannten Werke ist besonders aufgrund auffallender stilistischer Widersprüche zwischen einzelnen Darstellungen sehr problematisch. Da die aufwändige Originalfassung einer Entstehung der Reliefs im 19. Jahrhundert unwahrscheinlich macht, dürfte eher anzunehmen sein, dass ein mittelalterlicher Bildschnitzer unterschiedliche Vorlagen kombinierte. Die Reliefs dienten möglicherweise bei einer Zweitverwendung im 19. Jahrhundert tatsächlich als Krippenschmuck.

Letzte Aktualisierung: 20.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler

Die Zwillinge Romulus und Remus werden von ihrer Mutter Rhea Silvia getrennt

Die Zwillinge Romulus und Remus werden von ihrer Mutter Rhea Silvia getrennt

Inschrift der links oben angenagelten Tafel: ESA 14 / QUOD . D(omi)N(u)S EXERCITUVV(m) . DECR/EVIT. Q´s (quis) DISSPABIT . / RHEA . ROMULUS . REMUS.„Der Herr hat es beschlossen, wer will es wehren.“Das Relief zeigt eine Szene aus der römischen Mythologie: Die Entführung von Romulus und Remus, den einstigen Gründern der Stadt Rom. Links entschwindet der nackte Entführer mit den beiden Kindern im Arm. Gegenüber steht ihre Mutter Rhea (Rea) Silvia, die, vor Verzweiflung erstarrt, sich vom Geschehen abwendet. Eingebettet ist die Handlung in eine flache, karge Landschaft.Nach Livius (Ab Urbe Condita, 1. Buch) war Rhea Silvia die Tochter des Numitor Silvius, König von Alba Longa. Als ihr Vater von dessen jüngerem Bruder Amulius aus Eifersucht und Machtgier entthront und in die Verbannung geschickt wurde, ließ er dessen Sohn töten und sie zur Vestalin weihen. Damit verfolgte Amulius ein spitzfindiges Ziel: Als Priesterin der Göttin Vesta zur Keuschheit verpflichtet, konnte sie keinen Thronerben zeugen, der Rache an ihm – Amulius – hätte nehmen können. Doch trotz des erpressten Zölibats, brachte sie die Zwillinge Romulus und Remus zur Welt, denn angeblich hatte sie Mars im Schlaf überrascht. Als ihr Onkel Amulius davon erfuhr, befahl er, seine Nichte einsperren zu lassen und ihre Kinder im Tiber auszusetzen. Ein Diener, der ihr die Zwillinge entriss, legte sie jedoch in einen Korb, der nach der Flut an das Ufer trieb, wo sie von einer Wölfin gesäugt und aufgezogen wurden. Als der Hirte Faustulus die Zwillingsbrüder bei der „lupa“ fand, nahm er sie zu sich nach Hause, wo er sie mit seiner Frau, die gerade eine Totgeburt zu beklagen hatte, aufzog. Später, als den beiden herangewachsenen Kindern ihre adlige Herkunft bewusst wurde, stürzten sie ihren Großonkel Amulius, befreiten ihre Mutter Rhea Silvia und installierten ihren Großvater Numitor erneut zum König von Alba Longa.Die komplexe Geschichte, die in den antiken Quellen Abwandlungen erfuhr, wird in dem vorliegenden Relief auf den Moment der Entführung der beiden Zwillingsbrüder Romulus und Remus konzentriert. Weder der Fluss Tiber noch die Wölfin sind in die Darstellung integriert, die auf den weiteren Verlauf der Geschichte hätten hinweisen können. Bemerkenswert ist, dass nicht der Affekt, sondern vielmehr die ausgewogene klassische Ponderation und die erotische Ausstrahlung– gleich einer antiken Venusstatue – hier von Bedeutung sind. Bei der Bronzetafel handelt es sich um eine freie Kopie nach einem Kalksteinrelief (London, V & A Museum) des in Augsburg und Eichstätt tätigen Loy Hering (1484/85-1554), der sich für seine Komposition wiederum eines Stichs des deutschen Kupferstechers Heinrich Aldegrever (1502-1555/1561) bediente. Dieses Beispiel zeigt deutlich, welch großer Beliebtheit sich antike Erzählungen in der Renaissance erfreuten, zumal von dem Bronzerelief noch weitere, zahlreiche Varianten (u. a. in München und Wien) existieren.