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Antiker Kameo mit Claudius und Messalina auf einem Drachenwagen

Ident. Nr.: KdZ 3374

ObjID: obj:1715915

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Peter Paul Rubens (1577 - 1640),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1622
Abweichende Datierung: 1600-1608
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Antiker Kameo mit Claudius und Messalina auf einem Drachenwagen
Antiker Cameo mit Claudius und Agrippina
Provenienz
Samuel Woodburn (1783-1853),
157383
Auktion Christie's (Samuel Woodburn),
12.-14.6.1860
George Salting (1835-1909),
bis 1888
Material / Technik
Feder in Braun
Abmessungen
Blattmaß: 14,8 x 22,3 cm
Wasserzeichenmaß: 23 x 18 mm
Erwerbung
1888 von George Salting, London, als Geschenk erworben

Objektbeschreibung

Für ein (nicht realisiertes) Buchprojekt des Gelehrten Nicolas-Claude Fabri de Peiresc (1580–1637) kopierte Rubens mehrere antike Kameen und Gemmen – Schmucksteine mit erhaben oder vertieft graviertem Relief. Diese Zeichnungen sollten als Vorlagen für die geplanten Illustrationen dienen, wurden jedoch nie als Druckgraphiken umgesetzt. 
Ausgangspunkt für diese Idee war der Fund eines exquisiten Werks klassischer Bildhauerkunst, des mit 31 x 26,5 cm größten erhaltenen römisch-antiken Kameos (des sogenannten Grand Camée de France), in der Schatzkammer der Sainte-Chapelle in Paris im Jahre 1620, der unter europäischen Gelehrten und Liebhabern der Antike große Begeisterung auslöste. Der französische Altertumsforscher, Astronom, Sammler und Mäzen Peiresc identifizierte das Stück und bestimmte dessen Darstellung als julisch-claudische Szene, in der sich Germanicus von seiner Familie verabschiedet. 
Im Jahr darauf schlug Peiresc Rubens, der als besonders bewandert in der Antike galt und für seine Kenntnisse bewundert wurde, die gemeinsame Publikation eines illustrierten Buches über geschliffene antike Edelsteine vor. Nachdem das Buch nicht umgesetzt worden war, schuf Rubens noch ein vergrößertes Gemälde des Germanicus-Kameos (heute im Ashmolean Museum, Oxford), das er Peiresc 1626 übergab.  
Der hier abgebildete Kameo aus Sardonyx (heute in der Bibliothèque nationale de France, Paris) ist in Originalgröße abgebildet und mit genauen Farbangaben in Italienisch versehen, die vermutlich für Peiresc (der in Italien Jura studiert und das Land bereist hatte) bestimmt waren. Rubens muss den Kameo mit eigenen Augen gesehen haben, nur so lassen sich die präzisen Angaben zu den zwischen Rot, Braun, Blau und Weiß changierenden Farben des mehrschichtigen Schliffs erklären. Rubens identifizierte die weibliche Figur mit Agrippina, der vierten Gattin des römischen Kaisers Claudius und Mutter von Nero, wie er oben notierte. Heute wird sie als ihre Vorgängerin, Valeria Messalina, interpretiert. Eine weitere Notiz in Rubens' Muttersprache Flämisch bezieht sich auf die zu korrigierende Handhaltung der weiblichen Figur und dürfte für Rubens selbst gedacht gewesen sein. Die Kombination beider Sprachen in einer Zeichnung ist nicht unüblich. "Pezzo moderno" ("modernes Stück") links am Rand des Kameos bezeichnet eine nachantike Ergänzung, die der Künstler, der selbst Kameen und Gemmen sammelte, bemerkt hatte. Heute ist diese Restaurierung mit dem erhobenen Arm des Claudius und dem wehenden Prunkmantel nicht mehr vorhanden, sie wurde durch ein glattes Stück Sardonyx ersetzt.
Wem der Kameo zur Zeit Rubens' gehörte, ist nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Deshalb wird in der Forschung davon ausgegangen, dass er sich in einem Kirchenschatz befunden haben könnte und Rubens ihn dort während seiner ersten Reise nach Frankreich 1622 gesehen hat. 1684 oder 1685 erwarb König Ludwig XIV. den Kameo für seine Sammlungen und ließ im Jahr darauf eine runde, emaillierte Goldfassung in leuchtenden Farben von seinem Hofgoldschmied Josias Belle anfertigen, die den Kameo noch heute einfasst.

Letzte Aktualisierung: 17.09.2026

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Einrichtung:

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