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Deckel eines Räuchergefäßes mit parthischer Inschrift

Ident. Nr.: VA 05906

ObjID: obj:1743050

Details (Expert)

Datierung
1. Jahrhundert vor Christus bis 2. Jahrhundert nach Christus
Periode: Parthisch
Geografische Bezüge
Assur,
Vorderasien
Material / Technik
Keramik
Abmessungen
Durchmesser: 18,7 cm
Höhe: 10,5 cm
Gewicht: 0,5 kg

Objektbeschreibung

Das Verbrennen von Räucherwerk verschiedener Art im Rahmen kultischer und magischer Handlungen ist in Vorderasien bereits seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bezeugt. Zahlreiche liturgische und Beschwörungstexte weisen auf den rituellen Gebrauch von Kräutern und auch Weihrauch hin. Wie noch heute üblich, wurden für diesen Zweck eigens gestaltete Gerätschaften verwendet, unter denen mit Öffnungen versehene Ständer oder Gefäße aus gebranntem Ton am häufigsten vertreten sind. Das abgebildete Stück stammt aus der Spätzeit der mesopotamischen Kultur und diente offenbar als Deckel für ein Räuchergefäß, das selbst nicht erhalten ist. Der kuppelförmige Korpus mit Löchern, Rillenverzierung und einem Knaggenkranz wird durch eine Art Mauerkrone oben abgeschlossen, die zugleich als Griff dienen konnte. Die unterste Deckelzone wurde mit einer Inschrift versehen, die fast vollständig erhalten ist. Die Sprache ist Parthisch, die Buchstaben hingegen sind aramäisch, womit deutlich wird, dass diese seit Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. gebrauchte Schrift – ähnlich wie die ältere Keilschrift – zur Wiedergabe verschiedener Sprachen dienen konnte. [Joachim Marzahn]

Letzte Aktualisierung: 23.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Vorderasiatisches Museum

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Fassade des Innin-Tempels des Karaindasch (Ausschnitt)

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Im Verlauf der Arbeiten entlang der Ziegelmauer um das Heiligtum Eanna in Uruk stießen die Ausgräber auf einen Mauerwinkel, in dem unvermutet Reste eines kleinen Tempels zutage traten. Der rechteckige Bau mit kleinem Vorhof und größerer Cella hatte die Maße von etwa 22,5 zu 17,5 Metern, besaß stark betonte Gebäudeecken und war an den Außenwänden mit einer Nischenfassade versehen. In unmittelbarer Umgebung fanden sich Reste vieler Formziegel, deren erkennbare Einbindung ins Mauerwerk sie als Zierstücke der Außenwand auswies. Beim Zusammenfügen ergab sich so eine Art nischenartig gegliederte Blendfassade, deren vorspringende Teile mit halbrunden Symbolen und geschlängelten Bändern verziert waren, während in den Nischen Figuren gestanden hatten. Einer der Ziegel gab inschriftliche Auskunft über den Bauherrn. Ein König Kara-indasch hatte den Tempel für die Göttin Inanna von Uruk errichten lassen. Überlieferte Königslisten gestatten die Datierung des Bauwerks um das Jahr 1413 v. Chr. Kara-indasch gehörte zur Dynastie eines „Kassiten“ genannten Bergvolkes, das damals über Babylonien herrschte, aber weitgehend assimiliert wurde und die babylonischen Traditionen aktiv fortführte. Ein Ausdruck dieses Traditionswillens ist letztlich auch der hier beschriebene Tempel, der der schon seit dem Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. verehrten Göttin geweiht war. Die eine Berglandschaft wiedergebenden gerundeten Symbole an der Wand und auf den Gewändern der Figuren weisen noch auf die Herkunft der Dynastie hin. Die Figuren selbst, durch Hörnerkronen als Götter kenntlich, stehen ganz in mesopotamischer Tradition. Es sind abwechselnd nicht namentlich bekannte weibliche und männliche Götter, deren Hände Wasserflaschen halten, aus denen belebendes Nass in Strömen zur Erde fließt. Der groben Struktur der Ziegel angemessen, erscheint die Darstellung der Götter schematisch und vereinfacht. Das Wesentliche des Ausdrucks einer göttlichen Gewalt ist aber erfasst und erstaunlich gut in den Proportionen mit den Erfordernissen der Fugentrennung in Einklang gebracht. Kappe, Gesicht, Schultern und Arme werden durch die Fugen nicht gestört. Andere Details, wie der Fluss der Haare, sind kaum beeinträchtigt. Bemerkenswert ist die Verbindung des der Flasche entströmenden Wassers beim Übergang von der Halbplastik zur Fläche der Wand. Es wird deutlich, dass der Ausführung eine wohldurchdachte Modellplanung zugrunde lag. Wandverzierungen mit Formziegeln sind seit altbabylonischer Zeit nachweisbar. In figürlicher Gestaltung, wie überhaupt in Verbindung mit der Bauform des Tempels, ist dieses Architekturbeispiel jedoch in Vorderasien bisher der früheste Beleg. [Joachim Marzahn]