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Modern rekonstruierte Inschrift des Königs Nebukadnezar am Ischtar-Tor von Babylon

Ident. Nr.: VA Bab 07661

ObjID: obj:1744733

Details (Expert)

Datierung
6. Jahrhundert vor Christus
Periode: Neubabylonisch
Geografische Bezüge
Babili,
Vorderasien
Material / Technik
Keramik; glasiert

Objektbeschreibung

In unmittelbarer Umgebung des Ischtar-Tores wurden zahlreiche Ziegelbruchstücke mit Resten von Keilschriftzeichen gefunden, die wahrscheinlich zu einer einst am Tor angebrachten Bauinschrift Nebukadnezars II. gehört haben. Auch wenn ihr ursprünglicher Anbringungsort unbekannt ist, gibt es keine Zweifel, dass sich der Text auf den Bau des Ischtar-Tores bezieht.

Die Inschrift besteht aus Originalfragmenten und wurde in Berlin durch moderne Ziegel ergänzt. Als Vorlage diente eine vollständig erhaltene Bauinschrift von Nebukadnezar II., welche sich heute in London befindet. Dort ist u.a. zu lesen: „Ich [= Nebukadnezar] legte das Fundament der Tore gegen das Grundwasser […] und ließ sie selbst aus lauterem Blaustein herstellen, auf denen Stiere und Drachen kunstvoll gebildet waren. […] Unbändige Stiere und ergrimmte Drachen stellte ich in ihrem Torraum auf und stattete sie mit üppiger Pracht, dass die gesamte Menschheit sie staunend betrachten möge, überreich aus“. (Christine Kainert)

Letzte Aktualisierung: 07.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Vorderasiatisches Museum

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Fassade des Innin-Tempels des Karaindasch (Ausschnitt)

Fassade des Innin-Tempels des Karaindasch (Ausschnitt)

Im Verlauf der Arbeiten entlang der Ziegelmauer um das Heiligtum Eanna in Uruk stießen die Ausgräber auf einen Mauerwinkel, in dem unvermutet Reste eines kleinen Tempels zutage traten. Der rechteckige Bau mit kleinem Vorhof und größerer Cella hatte die Maße von etwa 22,5 zu 17,5 Metern, besaß stark betonte Gebäudeecken und war an den Außenwänden mit einer Nischenfassade versehen. In unmittelbarer Umgebung fanden sich Reste vieler Formziegel, deren erkennbare Einbindung ins Mauerwerk sie als Zierstücke der Außenwand auswies. Beim Zusammenfügen ergab sich so eine Art nischenartig gegliederte Blendfassade, deren vorspringende Teile mit halbrunden Symbolen und geschlängelten Bändern verziert waren, während in den Nischen Figuren gestanden hatten. Einer der Ziegel gab inschriftliche Auskunft über den Bauherrn. Ein König Kara-indasch hatte den Tempel für die Göttin Inanna von Uruk errichten lassen. Überlieferte Königslisten gestatten die Datierung des Bauwerks um das Jahr 1413 v. Chr. Kara-indasch gehörte zur Dynastie eines „Kassiten“ genannten Bergvolkes, das damals über Babylonien herrschte, aber weitgehend assimiliert wurde und die babylonischen Traditionen aktiv fortführte. Ein Ausdruck dieses Traditionswillens ist letztlich auch der hier beschriebene Tempel, der der schon seit dem Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. verehrten Göttin geweiht war. Die eine Berglandschaft wiedergebenden gerundeten Symbole an der Wand und auf den Gewändern der Figuren weisen noch auf die Herkunft der Dynastie hin. Die Figuren selbst, durch Hörnerkronen als Götter kenntlich, stehen ganz in mesopotamischer Tradition. Es sind abwechselnd nicht namentlich bekannte weibliche und männliche Götter, deren Hände Wasserflaschen halten, aus denen belebendes Nass in Strömen zur Erde fließt. Der groben Struktur der Ziegel angemessen, erscheint die Darstellung der Götter schematisch und vereinfacht. Das Wesentliche des Ausdrucks einer göttlichen Gewalt ist aber erfasst und erstaunlich gut in den Proportionen mit den Erfordernissen der Fugentrennung in Einklang gebracht. Kappe, Gesicht, Schultern und Arme werden durch die Fugen nicht gestört. Andere Details, wie der Fluss der Haare, sind kaum beeinträchtigt. Bemerkenswert ist die Verbindung des der Flasche entströmenden Wassers beim Übergang von der Halbplastik zur Fläche der Wand. Es wird deutlich, dass der Ausführung eine wohldurchdachte Modellplanung zugrunde lag. Wandverzierungen mit Formziegeln sind seit altbabylonischer Zeit nachweisbar. In figürlicher Gestaltung, wie überhaupt in Verbindung mit der Bauform des Tempels, ist dieses Architekturbeispiel jedoch in Vorderasien bisher der früheste Beleg. [Joachim Marzahn]