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Der gute Schächer

Ident. Nr.: 4128

ObjID: obj:1757031

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 1775
Geografische Bezüge
Material / Technik
Temperamalerei auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 34 x 13,5 x 1,5 cm

Objektbeschreibung

Bei der kleinen Tafel handelt es sich um die linke Seite eines kleinen, dreiflügeligen Klappaltars (Triptychon). Dargestellt ist die Figur des "Guten Schächers", der mit Seilen an ein Kreuz gebunden ist. Er ist lediglich mit einem ockerfarbenen Lendenschurz bekleidet. Sein rechter Arm verschwindet hinter dem Rücken, der linke ist im Zeigegestus angewinkelt. Das Kreuz steht auf einer Grünfläche vor der Stadtkulisse von Jerusalem. Die Tafel schließt oben und unten mit zwei roten Feldern ab, auf denen arabische Schriftzüge wiedergegeben sind. Der obere Text lautet übersetzt: "Jesus Christus, geschaffen im Jahr 1491 des koptischen Kalenders". Dies entspricht dem Jahr 1775 unserer Zeitrechnung. Der untere Text enthält ein Zitat nach dem Evangelium des Lukas 23.42: "Jesus, erinnere dich meiner, wenn Du das Himmelreich erreicht hast." Links oberhalb des Kopfes des Gekreuzigten ist noch schwach ein weiterer Schriftzug zu erkennen, der Bezug auf die Darstellung nimmt: "Der Schächer zur Rechten". Hier wird auf eine Episode des Lukas-Evangeliums (Lk. 23,42-43) angespielt, nach der Christus zusammen mit zwei Verbrechern auf dem Berg Golgatha gekreuzigt wurde. Der hier dargestellte gute Schächer zeigte sich reumütig und bekannte sich zum christlichen Glauben, worauf ihm das Paradies verheißen wurde. Der böse hingegenen verhöhnte Christus. Die beiden fehlenden Tafeln des Triptychons müssten folglich den gekreuzigten Christus in der Mitte und den bösen Schächer auf der rechten Seite zeigen.
Das Tafelbild mit dem guten Schächer befindet sich als Dauerleihgabe im Ikonenmuseum der Stadt Frankfurt am Main.

Literatur: Karin Kirchhainer, in: Ikonen. Ikonen-Museum Frankfurt a. M., Frankfurt am Main 2005, S. 144-145, Nr. 31

(Cäcilia Fluck, 2019)

Letzte Aktualisierung: 07.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)