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Der große Liebesgarten

Ident. Nr.: 136-1897

ObjID: obj:1817316

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Meister E S (1420–1468),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: o.J.
Material / Technik
Kupferstich
Abmessungen
Blattmaß: 22,9 x 15,0 cm

Objektbeschreibung

Der Meister E. S. beschäftigte sich mehrmals mit dem Liebesgartenthema. Der Garten bildete, verbreitet durch den französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, ein Hauptmotiv in der mittelalterlichen Minnelyrik. Er ist durch eine Mauer von der Welt abgeschlossen, hier blühen Rosen, Brunnen sorgen für frisches Wasser, und die Liebenden kommen bei Spiel und Musik zusammen. In dieser Tradition höfischer Minneauffassung steht der Stich des Meisters der Liebesgärten (vgl. Inv. Nr. 316-1). Die Darstellungen des Meisters E. S. jedoch weichen von ihr ab. Hier finden sich nicht nur Liebespaare, sondern auch Narren, und das in recht freizügigen Posen. Dem Narren auf diesem Blatt wird von seiner Gespielin der Mantel gelüftet, und er schaut grinsend den Betrachter an. Ihn soll er an die Torheit der an der Tafel versammelten Paare erinnern, deren Treiben wollüstig und somit sündig sei. Und der Griff des einen Jünglings an die Brust seiner Braut versinnbildlichte auf zeitgenössischen Illustrationen das Gebot »Du sollst nicht unkeusch sein«. Hier wird also mehr oder weniger offen Kritik an dem höfischen Minne-Ideal geübt, das sich bis in die Tage des Meisters E. S. gehalten hatte. Diese Moralisierung entsprach den Wertvorstellungen weiter Kreise in der Kirche und dem aufstrebenden Bürgertum.
Die 1466/67 entstandene Liebesgartendarstellung zählt zu den Hauptwerken des Meisters E. S. und ist in nur wenigen Abzügen überliefert, von denen der Berliner einer der schönsten ist.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 97, Kat. III.10 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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