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Vogel-Unter, aus der Folge der Großen Spielkarten

Ident. Nr.: 97-1891

ObjID: obj:1817330

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Meister E S (1420–1468),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: 1463
Abmessungen
Blattmaß: 13,0 x 8,6 cm
Erwerbung
1891 von der Direktion der Discontogesellschaft Berlin angekauft

Objektbeschreibung

Gedruckte Spielkarten sind ab 1440 überliefert, wobei das dünne, empfindliche Papier für das Spielen eigens verstärkt werden musste. Die Stiche wurden auch als Vorlagen genutzt und als kuriose Objekte gesammelt. Das Große Kartenspiel enthielt 48 Karten: acht Zahlen- und vier Figurenkarten in je vier Farben (Menschen, Hunde, Vögel, Wappen). Vogel-Unter, -Ober, -Dame und -König werden durch „Wilde Leute“ repräsentiert. Die scheuen „Wilden Leute“ mit ihren behaarten Körpern lebten in der mittelalterlichen Vorstellung frei in den Wäldern und in Harmonie mit der Natur. Sie galten zwar als gottlos, triebhaft, ausschweifend und verkörperten damit ein fiktives Gegenbild zur zivilisierten Gesellschaft, wurden aber durchaus positiv gesehen: Der wilde Mann reitet auf dem guten, edlen Einhorn.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Nach dem Verlorenen Sohn ist der Teufel, der, während die Landarbeiter schlafen, Unkraut zwischen den Weizen sät, wohl das um 1600 am häufigsten dargestellte Gleichnis Jesu. De Gheyn zeigt sich in der Weise, wie die ganze Landschaft von einer Spannung ergriffen wird, die in der Hauptfigur kulminiert, als einer der führenden Manieristen. Obwohl Studienzeichnungen erhalten sind, in denen das Modell dem links am Baum Schlafenden ähnelt, wird jede Naturwahrheit zugunsten des Ausdrucks zurückgestellt. Von dem in Bewegungsrichtung des feindlichen Sämannes abschüssigen Feld über die bizarren Kopfweiden bis zu den Pilzen, die vorn ganz unwahrscheinlich auf dem frisch gepflügten Acker sprießen, kündigt sich Unheil an, das nicht nur durch den Teufel versinnbildlicht wird, sondern auch in den Hexenreitern am brodelnden Himmel, mit denen der Zeichner weit über den Bibeltext hinausgreift. Im scharfen Gegensatz dazu stehen rechts die idyllisch schlafende Gruppe und links die ruhigen Tiere, die schweren Säcke mit dem Saatgut und der nach dem reichlichen Mittagsmahl ruhende Arbeiter. In diesen Themen ist de Gheyn auf der Höhe der Zeit; auch andere Künstler wie vor allem A. Bloemaert zeichnen in diesen Jahren das bäuerliche Leben, wobei der Ton immer auf Muße und Verfall liegt. Die biblische Geschichte gibt de Gheyn die Möglichkeit, dies mit Zügen seiner Hexensabbat-Darstellungen zu verbinden, mit denen er Salvator Rosa vorangeht.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 190, Kat. IV.31 (mit weiterer Literatur)