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Messergriff mit Samson als Löwenreiter und dem hl. Georg

Ident. Nr.: F 394

ObjID: obj:1819233

Details (Expert)

Datierung
14. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: 5,5 x 52,1 x 1,8 cm

Objektbeschreibung

Der Messergriff zeigt verschiedene christliche Allegorien auf den Kampf zwischen Gut und Böse sowie Sinnbilder der Liebe: Auf der einen Seite des Griffes erscheint Samson auf dem Löwen reitend, mit einem Falken (?) hinter seinem Rücken. Unterhalb der Samson-Szene ist ein Liebespaar bei der Übergabe eines Ringes sowie seitlich davon eine weitere weibliche Figur dargestellt. Auf der anderen Seite des Griffes erscheint der hl. Georg zu Pferd im Kampf mit dem Drachen, der bereits überwunden unter ihm auf dem Rücken liegt. Links und rechts neben dem Heiligen sind eine männliche und eine weibliche Figur dargestellt, wohl der König der Stadt Silene und seine dem Drachen ausgelieferte Tochter, Prinzessin Aja. Unterhalb der Szene mit dem Drachenkampf steht ein Löwe, der im Begriff ist, in einen menschlichen Kopf zu beißen. Am oberen Ende des Messergriffs befindet sich die freiplastisch gestaltete Darstellung eines anderen Löwen im Kampf mit einem unterlegenen Drachen. An einer der Schmalseiten sind schimärische Wesen in den bandartig verschlungenen Doppelschwanz des oben liegenden Drachen verflochten. An der anderen Schmalseite erscheint unten ein gekrönter Falke (?), über dem eine männliche Figur mit langem Gewand steht.
Das Werk ist allseits bearbeitet. An seiner Unterseite ist das Messerblatt eingefügt und durch Holzspäne mit dem Elfenbeingriff verkeilt. Ein Stahlband umfängt und sichert das untere Ende des Griffes. Die Pupillen der beiden kämpfenden Tiere am oberen Ende des Messergriffs sind mit rötlichen Glasflüssen ausgelegt. Bohrungen in den Augen weiterer – aber nicht aller – Figuren deuten darauf hin, dass ursprünglich wohl weitere solche Inkrustationen vorhanden waren. Spuren von Polychromie sind nicht vorhanden.
Die Kanten des Griffs und die exponierten Teile der seitlichen Reliefs zeigen deutliche Benutzungsspuren in Form von Materialabschleifungen. Mehrere tiefe Risse durchziehen das Material, durch einen von ihnen entstand an der Georgseite im Bereich des Mauls des unteren Löwen und des Kopfes seines Opfers ein Höhenversatz der Oberfläche von knapp einem Millimeter. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa