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Sog. Taufschale Kaiser Friedrichs I. Barbarossa

Ident. Nr.: 1933,25

ObjID: obj:1830381

Details (Expert)

Datierung
um 1170
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Aachen
Material / Technik
Silber, teilvergoldet
Abmessungen
Durchmesser x Tiefe: 24,2 x 5,0 cm

Objektbeschreibung

Die Gravur im Schalenboden zeigt die Taufe Kaiser Friedrichs I. (Reg. 1152–1190). Die sakramentale Handlung erscheint in Form der Immersio, des dreimaligen Untertauchens des Täuflings, der als FRIDERIC(VS) I(M)P(ERA)T(OR) bezeichnet ist. Der das Sakrament vollziehende Bischof ist im Moment des Handauflegens, der als OTTO benannte Taufpate beim Herausheben des Täuflings aus dem Taufbecken dargestellt. Dem Bischof assistiert ein Diakon und hinter dem als Graf Otto von Cappenberg († 1171) identifizierten Paten stehen zwei weltliche Zeugen. Die Szene ist von konzentrischen Inschriften umgeben, deren innere sich auf den läuternden Sinn der Waschung bezieht: QVEM LAVAT UNDA FORIS HOMINIS MEMOR INTERIORIS VT SIS Q(V)OD N(ON) ES ABLVE T(ER)GE Q(V)OD ES (Wen das Wasser äußerlich wäscht, gedenke des inneren Menschen. Damit du werdest, was du nicht bist, wasche ab, reinige, was du bist). Der äußere Text lautet: CESAR ET AVGVSTVS HEC OTTONI FRIDERICVS MVNERA PATRINO CONTVLIT ILLE DEO (Friedrich, Kaiser und Augustus, übergab diese Geschenke seinem Paten Otto, dieser Gott).
Bild und Inschriften können demzufolge erst nach der Kaiserkrönung 1155 entstanden sein. Fraglich bleibt, ob die – noch ungravierte – Silberschale bei Friedrichs Taufe um 1122 benutzt wurde. Als Taufwasserbehältnis wird man das kleine Becken indes nicht ansehen dürfen, denn der Taufritus der Infusio, des dreimaligen Übergießens des Täuflings, war damals noch unüblich. Im Typus entspricht die Schale sakralen und profanen Handwaschbecken des 12. Jahrhunderts und nur als solches könnte sie bei der Taufe Friedrichs verwendet worden sein. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa