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Fragment mit Szenen aus dem Leben Christi

Ident. Nr.: 1888,470

ObjID: obj:1830386

Details (Expert)

Datierung
1160 - 1170
Material / Technik
Seidenstickerei; Grund Leinen
Abmessungen
Objektmaß: 118,5 x 120 cm

Objektbeschreibung

Von dem ursprünglich ca. 240 cm hohen und 200 cm breiten Wandbehang ist nur das linke obere Viertel erhalten. Ein Rahmen aus quadratischen Feldern mit Halbfiguren und Pflanzenornamenten in wechselnder Folge umgibt die in Bändern angeordneten, figürlichen Szenen des Mittelfeldes. Am linken Rand stehen die durch Inschriften benannten heiligen Bischöfe Severus und Benedikt zwischen zwei Geistlichen namens Samson und Heinrich, an den sich an der oberen Kante die Heiligen Stephanus und Bonifatius anschließen.
Die Bildfolge des Mittelfeldes mit Szenen aus dem Leben Christi ist von unten nach oben zu lesen. Erhalten sind im unteren Band die Darstellung der Auferstehung Christi, der drei Frauen am leeren Grab und im Band darüber des Pfingstwunders, an das sich die Heilung des lahmen Aeneas durch Petrus anschließt. Die Inschrift auf der unteren Trennleiste + HIC CONSURGIT HO(MO) QUEM QUERUNT IN MONUMENTO + ACSEND(…) bezieht sich auf die Auferstehung und die anschließende, heute verlorene Himmelfahrt, die der oberen Leiste + HIC CELOS LINGUIS EXORNAT CEL(…) auf das Pfingstwunder. Die beiden unteren Bänder haben sich nicht erhalten. Analog zu den vorhandenen sind sie mit zwei rechteckigen, beziehungsweise drei quadratischen Bildfeldern zu rekonstruieren.
Die Stickerei ist in Spalt- und Stielstich, einer im Mittelalter weit verbreiteten Technik, ausgeführt. Die grünen, gelben, braunen, blauen und blassvioletten Seidenfäden bedecken den Grund vollständig. Großflächige Formen mit klaren Konturen und sparsamer Binnenzeichnung bestimmen die Zeichnung. Die reduzierte, flächige Farbgebung erinnert an niedersächsische Bildwirkereien dieser Zeit, wie sie in Halberstadt überliefert sind. HB

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa