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Vorderer Buchdeckel mit thronendem Christus aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford

Ident. Nr.: 1888,634

ObjID: obj:1830395

Details (Expert)

Datierung
3. Drittel 12. Jahrhundert
Material / Technik
Silber, teilvergoldet; Holzkern
Abmessungen
Objektmaß: 25,5 x 19 cm

Objektbeschreibung

Der Einband enthält ein im 3. Viertel des 10. Jahrhunderts in St. Gallen geschriebenes Evangelistar, eine liturgische Handschrift, welche im Gegensatz zum Evangeliar die voll ausgeschriebenen Evangelienlesungen (Perikopen) in der Abfolge des Kirchenjahres enthält. Seine verschiedenen Teile entstanden zu unterschiedlichen Zeiten: Die Buchschließe mit dem verschlungenen Drachenornament stammt aus karolingischer Zeit, während die zweite Schließe mit dem Löwen wohl im frühen 11. Jahrhundert gleichzeitig mit dem Rückdeckel hergestellt wurde. Dieser zeigt innerhalb eines Flechtbandrahmens zwei verbundene Palmettenranken mit je drei Voluten, denen Fruchtstände entspringen.
Der Vorderdeckel ist erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts in Westfalen entstanden. Er enthält im vertieft liegenden Mittelfeld in einem Vierpass die Majestas Domini, den auf dem Regenbogen thronenden Christus mit Buch im Segensgestus. In den Zwickeln neben dem Vierpass erscheinen die geflügelten Symbole der vier Evangelisten: der Mensch für Matthäus, der Adler für Johannes, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Letzterer ist zum größten Teil verloren, der Markuslöwe erweist sich als Ergänzung aus gotischer Zeit. Bei späteren Instandsetzungen wurde auch der Kopf der Christusfigur stark entstellt.
Die Handschrift enthält ein wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eingetragenes Verzeichnis des Kirchenschatzes des Engerer Dionysius-Stifts sowie ein etwas jüngeres Anathema, einen Bannfluch gegen Plünderer: „Den schlechten Teil im Himmel jenen, die den Schatz von St. Dionysius entfernen, ihre letzte Ruhe wird in der Hölle sein“. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa