Logo

Reliefikone mit hl. Demetrios aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 3

ObjID: obj:1830402

Details (Expert)

Datierung
1. Hälfte 13. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Byzanz
Abmessungen
Objektmaß: 18 x 17,9 cm

Objektbeschreibung

Innerhalb eines später hinzugefügten Rahmens aus gestanzten Goldblechen mit Blattranken, deren Model vermutlich auch für Stanzen an einem Tragaltar im Augustinermuseum zu Freiburg im Breisgau Verwendung gefunden hat, befindet sich eine in Goldblech getriebene byzantinische Reliefikone. Sie zeigt den durch die zweigeteilte griechische Namensbeischrift Ό Ά[γιος] ΔΙΜΙ/ΤΡΙΟς bezeichneten hl. Demetrios zu Pferde, der als Prokonsul von Achaia 306 durch einen Lanzenstich den Märtyrertod erlitten haben soll. Hauptort seines Kultes wurde Thessaloniki. In Folge der Kreuzzüge gelangte seine Verehrung auch in das Abendland.
Der Heilige hält in seiner Rechten die Lanze, mit der Linken führt er die Zügel. Er trägt eine kurze Tunika, darüber einen Panzer und einen Mantel, der sich hinter seinem Rücken ornamental bauscht. Ross und Reiter erscheinen vor einem Hintergrund von dichtem Rankenwerk aus Zweigen mit emaillierten Blättern. Reste von Email zeigen, dass Gesicht und Hände des Heiligen ebenso wie Teile seiner Gewandung, der Satteldecke, der Lanze und des Nimbus sowie am Pferd die Augen, die Mähne, der Schweif und das Zaumzeug ursprünglich überschmolzen waren. Die Reiterfigur setzte sich damit deutlicher als jetzt vom goldenen Grund ab.
Die komplizierte Technik des Überschmelzens eines plastisch gearbeiteten Rezipienten aus Gold (emaile en ronde boss) beherrschte man in Westeuropa erst im ausgehenden 14. Jahrhundert. Aber auch frühe byzantinische Werke mit „Reliefemail“ sind nur in ganz wenigen Beispielen erhalten, unter denen die Goldikone des Erzengels Michael im Schatz von San Marco in Venedig aus dem 11. Jahrhundert gewiss das bedeutendste ist. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa