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Büstenreliquiar des hl. Blasius aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 30

ObjID: obj:1830403

Details (Expert)

Datierung
2. Viertel 14. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: 51,5 x 30,8 x 19 cm

Objektbeschreibung

Das Büstenreliquiar des Hauptpatrons des Braunschweiger »Doms«, der Kirche des ehemaligen Burgstiftes, birgt unterhalb der über ein Scharnier nach hinten klappbaren Mitra eine große Reliquie vom Haupt des hl. Blasius sowie einen Armknochen und den Teil einer Rippe des Heiligen. Weitere Reliquien anderer Heiliger wurden in dem jetzt leeren, durch eine Türöffnung im Rücken der Figur zugänglichen Depositorium verwahrt. Auf diesen umfangreichen Reliquieninhalt verweist die unter dem runden Bergkristall in der Mitte des Palliums sichtbare Beschriftung: In hoc sci. Blasii ep. et martiris capite continentur reliquie multe.
Mitra und Pallium als Insignien des bischöflichen Amtes des hl. Blasius, der als Bischof von Sebaste in Kappadokien während der Christenverfolgung im 4. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten haben soll, sind durch Filigranranken mit Blättern und Blüten sowie durch Steinbesatz reich geschmückt. Augäpfel und Lippen sind auf das getriebene Silberblech aufgemalt, wodurch der Gesichtsausdruck des Heiligen eine spürbare Individualisierung erfährt und beim Betrachter den Eindruck gütiger Zuwendung hervorruft. Diese Emotionalisierung des Ausdrucks ist ein Indikator für die relativ fortgeschrittene Position der Blasiusbüste in der Entwicklungsreihe der Büstenreliquiare von einer Sonderform der „redenden“ Reliquiare hin zu plastischen Bildwerken „mit Reliquiarfunktion“.
Das kleine Medaillon mit einem Fabelwesen in Silbergrubenschmelz am Halsausschnitt der Kasel ist sicher erst nachträglich angebracht worden, es entstand vermutlich im frühen 14. Jahrhundert in Frankreich. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR