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Armreliquiar des hl. Georg aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 33

ObjID: obj:1830405

Details (Expert)

Datierung
um 1350
Abmessungen
Objektmaß: 55,3 x 13,8 x 9,6 cm

Objektbeschreibung

An der Innenseite des Armreliquiars sind beide Ärmel durch ein Gitter aus Perlleisten überdeckt, hinter dem die in rotes Seidengewebe gehüllte Reliquie sichtbar ist. Das vor die Handfläche applizierte Attribut, eine miniaturhaft kleine Reiterlanze mit Brechscheibe, gibt einen Hinweis auf den verehrten Heiligen: Es handelt sich um das nach schriftlicher Überlieferung durch Herzog Albrecht von Braunschweig, Bischof von Halberstadt (Ep. 1324–1358), dem Schatz von St. Blasius in Braunschweig gestiftete Armreliquiar des hl. Georg.
Den herausragenden künstlerischen Rang des Werkes begründen die großformatigen figürlichen Gravierungen an der Außenseite des Armes. Unter einer Doppelwimperg-Arkade erscheint rechts der gerüstete Ritterheilige, links im bischöflichen Ornat der hl. Blasius, der Patronatsheilige der Braunschweiger Stiftskirche. Georg hält einen Schild mit dem Wappen der Herzöge von Braunschweig, Blasius einen mit dem Familienwappen der Rixa von Werle († 1317), der Mutter des Stifters. Das Wappen mit der Löwenmaske am Ärmel des Untergewandes gehört der Familie Morder, Vasallen des Albrecht von Mansfeld, Halberstädter Gegenbischof seit 1346, mit dem sich Albrecht von Braunschweig 1350 versöhnt hat. Es wird vermutet, dass die Stiftung des Armreliquiars mit diesem Ereignis in Verbindung stehen könnte.
Das Armreliquiar des hl. Georg zählt gemeinsam mit dem Rückdeckel des Einbandes vom Plenar Ottos des Milden zu einer im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts wohl in Braunschweig entstandenen Werkgruppe, die einen besonderen Höhepunkt gotischer Goldschmiedekunst bezeichnet. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa