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Mitra aus dem Mindener Domschatz

Ident. Nr.: K 6156

ObjID: obj:1830406

Details (Expert)

Datierung
1425 - 1430
Abmessungen
Objektmaß: 32,5 x 30,5 cm , Länge der Infuln 48 cm

Objektbeschreibung

Die prächtige Bischofsmitra aus dem Mindener Domschatz ist mit zwei Szenen aus dem Marienleben bestickt. Die Vorderseite zeigt die Verkündigung, die Rückseite die Krönung Mariae. Kleine, in dichten Reihen angelegte Flussperlen bilden die Figuren. Blaue und grüne Seidenfäden akzentuieren einzelne Gewandteile. Zwischen den Figuren übersäen geprägte Sterne aus vergoldetem Silberblech den ursprünglich roten, heute zu gelb verblassten Seidendamast. Ein Rankenornament bildet den unteren Abschluss der Mitra. Darüber verläuft ein breites Band aus vergoldeten Silberplatten mit applizierten, perlenbesetzten Greifen. Eine Ranke aus Eichenlaub mit geprägten Eicheln aus vergoldetem Silberblech rahmt das Bildfeld entlang der Hornkanten ein. Auch die herabhängenden Bänder sind mit einer geschwungenen Eichenlaubranke bestickt. Sie schließen mit vier goldenen Kugeln und abwechselnd roten und blauen Seidenquasten ab.
Die reiche Stickerei mit kleinen, weißen Flussperlen und geprägten Metallblechen weist auf eine Werkstatt in Niedersachsen. Die Muschelbänke der umliegenden Flüsse lieferten die Perlen, die in Heideklöstern und professionellen Werkstätten verarbeitet wurden.
Auffällig ist die Ähnlichkeit der Marienkrönung mit der zentralen Darstellung des Hochaltarretabels aus dem Mindener Dom, das sich heute im Berliner Bode-Museum befindet. Die enge Übereinstimmung der Christus-Darstellung beider Werke und ihre räumliche Nähe lassen einen direkten Zusammenhang vermuten. Die Datierung des Retabels um 1425 bietet damit einen Anhaltspunkt für die zeitliche Einordnung der Mitra. HB

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR