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Agnus-Dei-Ostensorium aus dem Basler Münsterschatz

Ident. Nr.: K 3862

ObjID: obj:1830407

Details (Expert)

Datierung
1460 - 1466
Material / Technik
Silber, teilvergoldet, Email, Steinbesatz
Abmessungen
Objektmaß: 60,2 x 22,5 x 18,2 cm

Objektbeschreibung

Das Ostensorium zeigt einen eigentümlich unarchitektonischen Aufbau: Auf einem achtpassig gegliederten Fuß trägt ein sechsseitiger Schaft eine scheibenförmige Kapsel, die wiederum von einer vierseitig gebildeten, mit Kreuzblumen geschmückten Fiale bekrönt wird. Das Gefäß wird umrankt von feinteiligem Diestelblattwerk, einer typischen Zierform oberrheinischer Goldschmiedekunst der Spätgotik.
Die gravierte Inschrift auf der Rückseite besagt, dass Papst Pius II. (Pont. 1458–1464) im Jahre 1460 dieses Agnus Dei (lat. Lamm Gottes) geweiht und „dir, berühmtes Basel […] aus der alten Freundschaft, mit der er dich unter seinem wohlwollenden Herzen beschließt“ geschenkt hat. Als Agnus Dei bezeichnet man runde, ursprünglich aus den Resten der Osterkerzen geformte Wachsscheiben mit dem aufgeprägten Abbild des Gotteslammes, welche durch die Päpste im ersten und jedem siebten Jahr ihres Pontifikats geweiht und an die Gläubigen verteilt wurden. Dem Agnus Dei wurden mannigfaltige behütende Wirkungen sowie Beistand bei der Vergebung der Sünden zugesprochen.
Zur Aufbewahrung der empfindlichen Wachsscheiben dienten zumeist flache Metallkapseln, auf welche die Bezeichnung Agnus Dei übertragen wurde. Dass zur Präsentation einer solchen Agnus-Dei-Kapsel eigens ein aufwendig gestaltetes Schaugefäß geschaffen wurde, ist außergewöhnlich und zeugt von der besonderen Wertschätzung, die man dem päpstlichen Geschenk in Basel entgegenbrachte. Die getriebene Reliefdarstellung des Lammes auf dem Deckel verweist auf den – seit langem verlorenen – Inhalt des Behältnisses, das Wappen des Heiligen Stuhls darunter auf den päpstlichen Stifter. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Rastender Herkules (Modellnummer 382)

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Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa