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Abendmahlskelch

Ident. Nr.: 1889,12

ObjID: obj:1830410

Details (Expert)

Datierung
um 1490
Material / Technik
Silber, vergoldet, Drahtemail
Abmessungen
Objektmaß: 17,5 x 13,1 x 13,1 cm

Objektbeschreibung

Der Kelch aus Heinersdorf (heute Ortsteil von Steinhöfel, Landkreis Oder-Spree, Brandenburg) entspricht dem in Mitteleuropa am Ende des 15. Jahrhunderts weit verbreiteten Grundtypus dieses Abendmahlsgerätes mit sechspassigem Fuß, sechsseitigem Schaft, der als Handhabe einen Knauf (Nodus) mit sechs rautenförmigen Zapfen (Rotuli) besitzt, und einer relativ kleinen, trichterförmig gestrafften Kelchschale (Kuppa), die von einem ornamental gestalteten Kelchkorb unterfangen wird. Auf dem Fuß befinden sich eine kleine plastische Kreuzigungsgruppe sowie die gravierten Halbfiguren des hl. Jakobus mit Pilgerstab und Hut, der hl. Barbara mit Turm und Schwert, der Muttergottes, der hl. Katharina mit Rad und Schwert und des hl. Bartholomäus mit dem Messer. Am Schaft erscheinen in Silber, wohl aus derselben Form gegossene, zwölf miniaturhaft kleine Statuetten der Apostel, je sechs unter- und oberhalb des Nodus. Dabei handelt es sich, im Gegensatz zu den Darstellungen auf dem Kelchfuß, um eine relativ seltene Form der figürlichen Gestaltung an einem Messkelch.
Für den Abendmahlskelch einer märkischen Dorfkirche ebenfalls ungewöhnlich ist der künstlerisch sehr qualitätvolle Dekor mit mehrfarbigen Schmelzen in der aufwändigen Technik des so genannten ungarischen Drahtemails. Bei dieser im 14. Jahrhundert in Italien entwickelten, später in Ungarn zu besonderer Blüte gebrachten und im ausgehenden 15. Jahrhundert auch im östlichen Mitteleuropa verbreiteten Schmelztechnik werden die Zellen für die Aufnahme des Emails durch aufgelötete tordierte Silberdrähte gebildet. Nach dem Brand werden die Schmelzen nicht geschliffen, so dass die gedrehten Drähte leicht erhaben als Dekor an den Rändern der emaillierten Felder erscheinen. LL

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa