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Tintenfass mit Deckelfigur

Ident. Nr.: 1175

ObjID: obj:1830604

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 16./17. Jahrhundert
Material / Technik
Messing
Abmessungen
Höhe: gesamt 15,5 cm
Höhe: (der Figur) 7,5 cm
Breite: 11 cm

Objektbeschreibung

Auf den drei Seitenfeldern befinden sich trapezförmige Reliefs. Es handelt sich zum einen um einen bacchantischen Zug: um eine Ziege in der Bildmitte gruppiert sich eine ausgelassene Schar von Kindern und Satyrn, wobei der auf dem Rücken des Tieres balancierende und der den Hals der Ziege umarmende Knabe nackt sind. Ein links kniender Satyr, auf dessen Rücken ein Kind reitet, saugt gierig am Euter der Ziege. Auf der rechten Seite sitzt ein älterer, auf der Kithara spielender Satyr, neben dem ein am Boden sitzender Knabe auf der Panflöte spielt. Auf dem zweiten Relief wird eine wird die Begleitung eines trunkenen Silens dargestellt: ein Zug von weitgehend nackten Knaben trägt den trunkenen Silen. Am linken Rand sitzt ein Flöte spielender Knabe, während der Zug von einem auf der Panflöte spielenden Satyr angeführt wird. Das dritte Relief ist Virtus gewidmet: auf der rechten Bildhälfte dominiert eine sitzende verschleierte Frau, die sich an eine Vase mit der Inschrift VIR(TUS) (Tugend) lehnt. Mit der Linken umfasst sie ein Schiffsruder, während sie mit der Rechten einem Knaben eine Schale reicht, aus der sich eine Schlange empor schlängelt. Die Mitte nimmt Chronos ein, der von einem Löwen begleitet wird. In der erhobenen Linken hält er eine Kugel und in der Rechten eine Keule. Links zeichnet die auf der Weltkugel sitzende geflügelte Fama oder Historia Ereignisse und Ruhmestaten auf einem Schild auf. Neben der Weltkugel ist eine umgestürzte Vase zu erkennen.
Die Ecken und geschwungenen Füße des Gerätes sind mit hermenartig behelmten Gestalten besetzt, die in Fratzen übergehe.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)