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Klagende Maria

Ident. Nr.: 368

ObjID: obj:1830618

Details (Expert)

Datierung
um 1440
Material / Technik
Gebrannter Ton
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 72,5 x 29,5 x 18,5 cm
Erwerbung
Übernommen aus der Königlich Preußischen Kunstkammer, für die die Figur 1855 erworben worden war. Woher die Angabe „aus Nördlingen“ stammt, ob sie sich auf einen Kunsthändler oder den letzten Aufstellungsort bezieht, ist unklar. Eine ursprüngliche Herkunft aus Nördlingen, aus stilistischen Gründen keineswegs ausgeschlossen, würde gut zum enormen Umfang von Baukampagnen und Kunstproduktion in der Stadt im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts passen: Sowohl die Karmeliten- als auch die Franziskanerkirche wurden 1422 geweiht und anschließend ausgestattet, 1429 der Bau der großen Hauptpfarrkirche St. Georg begonnen, und auch das wohlhabende Heilig-Geist-Spital (Bau 13. Jh.) kommt als Aufstellungsort durchaus infrage.

Objektbeschreibung

Die Figur einer Trauernden steht leicht nach vorn gebeugt und scheint in einer Bewegung nach rechts innezuhalten. Ihr deutlich nach rechts außen orientiertes linkes Knie zeichnet sich unter dem Gewand ab, und auch die abgebrochene linke Fußspitze wies ehemals in diese Richtung, während das rechte Bein vollständig verdeckt wird. Diese angedeutete Bewegung ist von großer Bedeutung, will sie doch nicht recht zu der bislang geltenden Identifizierung als Maria aus einer Kreuzigungsgruppe passen. Auch ein Blick auf die nur sehr reduziert ausgearbeiteten Profilansichten, vor allem von rechts, lässt an einer relativ freien Aufstellung der Figur unter einem Kreuz zweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass diese zu einem mehrteiligen Ensemble trauernder Frauen einer Kreuztragung oder Beweinungsszene gehörte und, jedenfalls auf der rechten Seite, von anderen Trauernden flankiert wurde. Es wird sich auch wohl nicht um die Muttergottes handeln, sondern eher um eine ihrer Begleiterinnen, wofür auch andere Indizien sprechen.

Wenig spezifisch ist zunächst die Kleidung: Über einem Kleid, das an der Brust und in den unteren Partien sichtbar wird, trägt die Trauernde einen weiten Mantel, den sie rafft und mit beiden Armen an den Körper drückt, sodass sich über dem rechten Bein ein steil getreppter Saumverlauf ergibt, auf der anderen Seite hingegen der Mantel seitlich des dynamischen linken Knies glatt nach hinten läuft. Geht man von einer ursprünglichen farbigen Differenzierung von Kleid und Mantel aus, war die durch das Knie angedeutete Bewegung noch stärker betont. Unter dem Mantel liegen noch Schleier und Gebende aus geknittert wirkendem Stoff, die die Trauernde als verheiratete Frau kennzeichnen. Der vorn bestoßene Schleier fiel einst stärker in die Stirn und verschattete das Gesicht weiter als heute. Dieses ist in auffallend starkem Maße von Trauer und Schmerz gezeichnet, was bei Marien unter dem Kreuz im 15. Jahrhundert durchaus vorkam, doch in dieser expressiv-überzeichneten und geradezu entstellenden Weise nur selten: Sehr scharf zeichnen sich die Nasolabialfalten ab, die Mundwinkel weisen unnatürlich stark nach unten, die stark gesenkten Augen wirken verschoben und eingedrückt unter den wulstig gerunzelten Brauen. Wie schmerzhaft zusammengepresst schließlich erscheinen auch die gerungenen Hände. Es ist anzunehmen, dass eine derart heftige Charakterisierung inneren Schmerzes nicht alleine stand, sondern als Hintergrund bzw. Kontrastfolie für eine eher gefasste Trauerhaltung der Muttergottes diente.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei den zwei Fragmenten handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Sie zeigen einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten, die aus gebündelten Ranken bestehen, die herzförmig zusammenlaufen und in fächerförmigen Palmetten enden. Sie stammen aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)