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Ident. Nr.: F 2039

ObjID: obj:1830647

Details (Expert)

Datierung
um 1320
Abmessungen
Objektmaß: 21,3 x 17,9 cm , Durchmesser der Scheiben 8,7 cm

Objektbeschreibung

Das Ostensorium besteht aus zwei zu einer scheibenförmigen Kapsel montierten Goldglas-Medaillons mit Darstellungen der Maria mit dem Kind und der Kreuzigung Christi. Das Bild der Madonna wird von rot beschriftetem Pergament mit dem Verzeichnis der im Schaugefäß enthaltenen Reliquien umrahmt. Unmittelbar im Anschluss an ihre Nennung sind die jeweiligen Heiltümer selbst durch kleine Ausschnitte im Pergament sichtbar.
Unterhalb der kreuzförmig angeordneten Partikel vom Heiligen Kreuz im Scheitel des Medaillons erscheinen auf der linken Seite weitere Passionsreliquien sowie Reliquien von Aposteln, Evangelisten und männlichen Märtyrern. Rechts oben befinden sich Reliquien von Maria und von weiblichen Heiligen, darunter Gewebefragmente vom Schleier der Muttergottes und Fasern vom Gewand und Schleier der hl. Klara (1193/94–1253), der Begründerin des Zweiten Ordens der Franziskaner. Reliquien männlicher Heiliger die im Franziskanerorden eine besondere Verehrung genossen, befinden sich im rechten unteren Viertel der Scheibe. Vom hl. Franziskus (1181/82–1226) selbst sind Haare und Partikel seines Gewandes enthalten. In Auswahl und Anordnung der Reliquien entspricht das Berliner Ostensorium einer Reihe vergleichbarer, offenbar für Franziskaner- oder Klarissen-Konvente bestimmter Reliquiare mit Goldglas-Darstellungen, von denen einige als Werk des deutschen Fraters Petrus Theotonicus (Profess 1288, in Assisi nachweisbar bis 1331) bezeichnet sind. Ob dieser ausführender Künstler oder konzipierender Geistlicher war, ist in der Forschung umstritten.
Die im Reliquiar enthaltenen Heiltümer verweisen nicht nur auf das geistliche Umfeld der Auftraggeber, sie sind zugleich Indizien für die Entstehungszeit des Werkes. Der hl. Ludwig von Toulouse (1274–1297), ebenfalls ein Franziskaner, wurde am 13. April 1317 kanonisiert und die Schleierreliquie der Maria gelangte nach dem 11. März 1320 in den Besitz des Konventes von S. Francesco in Assisi, was die Annahme der Herstellung des Ostensoriums 1320 oder bald danach begründet.
Die Kreuzigungsszene zeigt einen anderen, durch weicher modellierende Linien geprägten, Stil der Zeichnung als die Maria mit dem Kind. Es wird daher wohl zu Recht angenommen, dass sie von zwei verschiedenen Künstlern stammen. Die Feststellung von Irene Hueck, wonach die Kreuzigungsdarstellung als Pinselzeichnung ausgeführt sei, kann nach mikroskopischer Untersuchung nicht bestätigt werden. Beide Goldgläser des Berliner Ostensoriums wurden in der später durch Cennino Cennini (um 1370–um 1440) beschriebenen Technik ausgeführt: Zunächst wurde auf die Rückseite des Glases mit Eiweiß eine Goldfolie geklebt, in welche die Zeichnung dann mit einer Nadel eingeritzt und schließlich durch Auftrag eines Farblacks hinterfangen wurde. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Zeremonialstab, sog. Zepter Karls des Großen aus der ehem. Reichsabtei Werden

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Der achtkantige Zeremonialstab besteht aus einer Handhabe, zwei Schaftstücken und einer Bekrönung in der gerippten Form eines Streitkolbens mit acht Schlagblättern. Zwischen diesen Teilen befinden sich vier facettierte Knäufe. Schmale Zierreifen aus vergoldetem Silber verdecken die Stöße der einzelnen Jaspisteile. Dem Schaft sind zwei silbervergoldete Manschetten angelegt, um Bruchstellen im Stein zu sichern. Während eine Eichel den oberen Abschluss des Stabes bildet, ist am unteren Ende der Handhabe das Monogramm Karls des Großen (* 748, Reg. 768–814) eingraviert, das dem Werk seinen ehrwürdigen Namen eingebracht hat. Ein Achatstab im Kunsthistorischen Museum Wien ist dem Berliner Exemplar sehr eng verwandt, er zeigt jedoch keine Montierungen. Zeichnungen aus der Zeit um 1573 und gegen 1753 sowie stilkritische und materialanalytische Untersuchungen haben den Nachweis erbracht, dass die Silberfassungen am Berliner Stab das Resultat von drei verschiedenen Bearbeitungsphasen sind. Erst mit der zweiten – im Zeitraum zwischen den beiden Zeichnungen erfolgten – Veränderung der Montierung erhielt er durch das Karlsmonogramm auf der erneuerten Kalotte der Handhabe sein Signum als angebliches Zepter Karls des Großen.Die früheste Erwähnung als Zepter Karls findet sich in den um 1600 entstanden Werdener Klosterannalen: „Karls Zepter, aus Jaspis gefertigt dessen sich die Äbte bei den fürstlichen Amtshandlungen und bei den Belehnungen der Großen bedienen. Dabei wird es bei der Eidesleistung zur größeren Bekräftigung des Treueversprechens mit der Hand berührt.“ Eine Zeichnung im Lehensbuch des Abtes Heinrich Duden (Abbatiat 1573–1601) zeigt am unteren Abschluss der Handhabe abweichend vom heutigen Zustand eine segmentierte Kalotte ohne Karlsmonogramm, die man als Werk des 16. Jahrhunderts ansprechen möchte. Es ist zweifelhaft, ob diese älteste Silbermontierung des Werkes auch seine ursprüngliche war oder ob sie womöglich selbst schon das Resultat einer ersten Umarbeitung des zunächst ohne eine zierende Metallfassung geschaffenen – dem Wiener Stab dann einst tatsächlich zwillingshaft ähnlichen – Werkes darstellt.Heinrich Duden beschreibt in einer wohl im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts entstandenen „Nota de usu sceptorum“ den Gebrauch des „sceptrum maius ex iaspide factum“, das dem Abt bei Prozessionen vom Marschall voran getragen und bei Belehnungen von Personen hohen Standes benutzt wurde. Vielleicht spiegelt sich in der sprachlichen Wandlung von dieser rein deskriptiven Bezeichnung des Werkes hin zur historisierenden Benennung als „Caroli sceptrum“ in den nur wenige Jahrzehnte jüngeren Klosterannalen eine Übertragung der auf dem angeblichen Gründungsprivileg beruhenden Werdener Karlstradition auf das Lehenszepter aus Jaspis, die schließlich zur Anbringung jener so nachdrücklich um Legitimationsstiftung bemühten Gravur des Karlsmonogramms geführt hat.In seiner Funktion als Lehenszepter, als Insignum weltlicher Macht, kann der Zeremonialstab den reichsunmittelbaren Werdener Fürstäbten nur vom Kaiser selbst verliehen worden sein. Die Hypothese in ihm ein Geschenk des kaiserlichen Lehensherren an die Abtei Werden anlässlich der Abtswahlen der Jahre 1520 oder 1540 zu sehen, erscheint nicht abwegig. Vielleicht war eine solche Insignienverleihung der Anlass für die Anbringung einer ersten Silbermontierung an dem älteren Jaspisstab. LL

Pokal mit Genien und Schraubfuß

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