Logo

Bildnis eines jugendlichen Prinzen

Ident. Nr.: M 301

ObjID: obj:1837785

Details (Expert)

Beteiligte
oder Umkreis: Germain Pilon (1535 - 1590),
Bildhauer*in
Datierung
um 1555
Geografische Bezüge
Material / Technik
Terracotta, gefasst
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 37,5 x 24 x 17 cm (Büste)
Höhe x Breite x Tiefe: 13,1 x 15,1 x 13,4 cm (Sockel)
Gewicht: 8820 g

Objektbeschreibung

Die farbig gefasste Tonbüste stellt einen etwa vier oder fünfjährigen Knaben dar, der sich in höfischer Tracht wie ein kleiner Herr stolz dem Betrachter zuwendet. Mit anmutigem Charme trägt er keck ein leicht schräg auf dem Kopf gesetztes Barrett, das seine aristokratische Herkunft ebenso verrät wie das enganliegende, geschlitzte Wams mit dem hohen Kragen und der Goldkette. Das kindliche Naturell weicht hier einer bereits eingeübten Pose, die ihm die standesgemäße Rolle abfordert. Das Milieu, in dem die Büste entstand, ist eindeutig der Königshof und deren Familie. Wie die gleichmäßig verteilten Bohrungen an der Hutkrempe offenbaren, waren diese einst mit kostbaren Edelsteinen und einer Feder verziert, so dass man sich den ursprünglichen Zustand der Büste noch weitaus prachtvoller vorstellen muss. Zeugnis dieses kostbaren Schmucks sind die Bildnisse des Malers Francois Clouet (1505/1510-1572), der den französischen Königshof und seiner aristokratischen Entourage in einer Vielzahl von Gemälden und Zeichnungen festgehalten hat. Neben dem Herrscherhaus und seinem einflussreichen Kreis treten in der Mitte des 16. Jahrhunderts auch erstmals vermehrt Kinderbildnisse auf, wobei plastisch geformte Kinderbüsten nur äußerst selten vorkommen und meist dem Königshof vorbehalten waren. Es ist daher anzunehmen, dass es sich bei unserem Porträt nur um das eines Prinzen handeln kann und somit folglich nur um einen der Söhne König Heinrichs II. und seiner Gemahlin Caterina de´ Medici. Welcher der vier ihrer Söhne hier allerdings dargestellt ist, lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit feststellen. Die größten Übereinstimmungen finden sich jedoch bei ihrem vierten und jüngsten Sohn Prinz Alexandre-Édouard, Herzog von Angoulême (1551-1589), der seinem Bruder Charles IX. als Henri III. auf dem französischen Thron folgte, aber auch zum fünften Sohn, dem attraktiven François-Hercule de Valois, Herzog von Alençon (1555-1584).
Hofbildhauer in der Zeit war Germain Pilon (1537-1590), der sich mit den Königsgrabmälern Franz I. und Heinrichs II. höchstes Ansehen erwarb. Die um 1555/60 entstandene Kinderbüste wäre somit ein Frühwerk des Bildhauers und seiner Werkstatt.

Letzte Aktualisierung: 20.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler