Logo

Tod und Frau (3. Zustand)

Ident. Nr.: 196-1911

ObjID: obj:1840075

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1910
Geografische Bezüge
Berlin,
Stadt
Provenienz
Kommission (?): Kunstsalon Emil Richter,
bis 6.7.1911
Abmessungen
Plattenrand: 44,8 x 44,6 cm
Blattmaß: 68,2 x 52,4 cm
Erwerbung
1911 Ankauf vom Kunstsalon Emil Richter, Dresden

Objektbeschreibung

Die sich auf technische Einzelheiten beziehende Beischrift lautet: "feiner grauer Ton auf Brust entstanden, indem ich gewöhnliches Tonpapier mit der Kornseite durch leicht gespannte Presse (Tuch u. kein Blech) zog. Der Druck war nicht ganz regelmäßig. An schärfer gespannter Seite entsteht ein fast aquatintaartiges Korn. Scheint sehr gut brauchbar. Rückseite des Papiers würde wohl noch gleichmäßiger drucken, ähnlich durchgedrücktem Stoff." Die hier nachträglich mit Bleistift eingezeichneten Tonmodellierungen und Konturen der Körper und weitere von Hand ergänzte Details wie die Fußnägel der Frau wurden im folgenden Zustand der Platte hinzugefügt.
Zu den ungewöhnlichsten Darstellungen der Künstlerin zum Thema Tod gehört neben der "Frau mit totem Kind" [#vgl. Ident. Nrn. 494-1909 und 75-1906] diese Variante mit dem Tod in der Rolle eines Liebhabers. [Rosemary] Betterton zufolge fügt sie "die Mächte der Kreativität und des Verlustes, der Sexualität und des Todes in einer Bildaussage von außergewöhnlicher Intensität" zusammen. Wie die Amerikanerin herausfand, verwendete Kollwitz in der ekstatisch aufgebäumten Mutterfigur den weiblichen Akt einer etwa gleichzeitig entstandenen Liebesszene [...]. [ [Rosemary Betterton, Die Darstellung des Mütterlichen. Der weibliche Akt im Werk deutscher Künstlerinnen um die Jahrhundertwende, in: Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein Berliner Künstlerinnen, Ausst.-Kat. Berlinische Galerie, Berlin 1992, S. 89-103] Sie gehört zu der von der Künstlerin als "Sekreta" betitelten Folge von außergewöhnlich freizügigen erotischen Zeichnungen. Im Unterschied zur Radierung war diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Erst die Graphik verbindet das Thema weiblicher Sexualität mit dem von Mutterschaft und Tod und wirft damit ein Licht auf die offensichtliche Problematik des mütterlichen und künstlerischen Rollenverständnisses von Käthe Kollwitz. Nach den Erkenntnissen Bettertons symbolisierte zu wilhelminischer Zeit die Darstellung der Mutterschaft im Werk von Künstlerinnen "weibliche Schöpferkraft" und "Kulturleistung". Im Falle von Käthe Kollwitz wird das männliche Kind als Ausdruck Ihrer sinnlichen und erotischen Wünsche wie auch Ihrer künstlerischen Potenz gedeutet. 

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 115, 117, Kat.-Nr. 142)

2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Rhenen von Westen

Rhenen von Westen

Jacob van Ruisdael gilt als der bedeutendste niederländische Landschaftsmaler, eine Gattung, die in kunsttheoretischen Schriften keinen hohen Rang einnahm.Nur eine weitere Ansicht Rhenens durch van Ruisdael ist erhalten (St. Petersburg); sie zeigt die Stadt aus entgegengesetzter Richtung. Beide müssen auf der Reise nach Bentheim entstanden sein, die der Künstler 1650/1653 unternahm. Das beliebte Motiv des Turmes der Cunera-Kirche als mächtigem, die Landschaft beherrschenden Kennzeichen, wird durch van Ruisdael auf die Spitze getrieben, indem er einen Blickwinkel wählt, der den Baublock der Kirche selbst hinter dem Turm verschwinden läßt, während von dem benachbarten großen Palast, den Friedrich V. von der Pfalz, der sogenannte Winterkönig, sich hier im Exil von Bartholomeus van Bässen hatte bauen lassen, nur die Dächer zu sehen sind. So kann der Kirchturm, in dessen Schatten sich der ganze Ort zu ducken scheint, bei van Ruisdael zum Angelpunkt einer asymmetrischen, aber wohlbalancierten Komposition werden. Dynamik entsteht durch die von links vorn nach rechts hinten schwingende Linie von Weg und Ufer, während die mit großer Leichtigkeit auf das Blatt gesetzten Wolken ein raffiniertes Gegengewicht zu dem aus der Mitte gerückten Turm bilden. (Um so schmerzlicher stört die übergroße Besitzermarke des Zaren.)Typisch für van Ruisdael ist die spürbare Distanziertheit vom Gegenstand, z.B. das Fehlen menschlicher Figuren, die der Darstellung einen Ernst, ja eine Strenge verleiht, die bei anderen holländischen Landschaftern selten zu finden sind.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 222, Kat. IV.75 (mit weiterer Literatur)

Der Petersfriedhof in Salzburg

Der Petersfriedhof in Salzburg

Zwei mehrwöchige Salzburger Aufenthalte wurden für Ferdinand Olivier in den Jahren 1815 und 1817 zum künstlerischen Schlüsselerlebnis. Wie auch die anderen deutschen Maler seines Wiener Umkreises, die in diesen Jahren die Landschaft des Salzkammergutes entdeckten, fand er hier zu seiner gültigen Landschaftsauffassung. In zahlreichen, zum Teil erst nach seiner Rückkehr in Wien ausgeführten Blättern verbindet er die Motive der Stadt und der Bergwelt zu kunstvollen Kompositionen, Höhepunkte seiner Zeichenkunst.Schon beim ersten Aufenthalt faszinierte ihn der Petersfriedhof, häufiges Motiv bei der romantischen Entdeckung Salzburgs. Er stellte ihn mehrfach in ganz verschiedenen Jahr 1816 datiert eine Bleistiftzeichnung von seiner Hand (Kupferstichkabinett, Dresden; Ludwig Grote: Die Brüder Olivier und die deutsche Romantik, Berlin 1938, Abb. 136), die er mit geringen Unterschieden zweimal wiederholt: durch eine Bleistift- und Rötelzeichnung (Staatliche Galerie, Dessau) und die vorliegende Federzeichnung. Sie wird als unmittelbare Vorarbeit für die Lithographie des Sonnabend-Blattes der Folge »Sieben Gegenden aus Salzburg und Berchtesgaden, geordnet nach sieben Tagen der Woche« gedient haben (vgl. Grote 1938, Abb. 137). Die Resonanz, die seine Zeichnungen von Salzburg und Folge von Lithographien in Wien auszuführen. Sie erschien 1823. Die Ansicht zeigt den Petersfriedhof mit dem Blick auf die frühbarocke Arkaden-Reihe und die sich darüber erhebende Nagelfluh-Wand zwischen Mönchsberg und Festungsberg mit der Maximin- und Gertrauden-Kapelle sowie den frühchristlichen Katakomben. Rechts erhebt sich die spätgotische Margarethen-Kapelle. Der Friedhof mit seinen Gräbern und Kreuzen, die Kapellen, schließlich der Begräbniszug im Hintergrund entlang der Arkaden: das alles sind neben der Freude am Motiv auch Aufforderungen des romantischen Künstlers, der Vergänglichkeit des Menschen stets gegenwärtig zu sein.Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 369, Nr. VII.15 (mit weiterer Literatur)