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Der heilige Franziskus betend

Ident. Nr.: KFMV.299

ObjID: obj:1841071

Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Antonio del Castillo y Saavedra (1616 - 1668),
Maler*in
frühere Zuschreibung: Luis Tristán de Escamilla (1601-1624),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1655/60
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der heilige Franziskus betend
Übersetzung: Saint Francis Praying
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 164 x 107 cm
Erwerbung
2010 Ankauf durch Prof. Wolfgang und Elisabeth Hänsch, Meißen

Objektbeschreibung

Dieser auf Knien vor dem Kruzifix betende Franziskus, der in einer vom Abendlicht beschienenen Landschaft an einem Felsen lehnt, ist eine Version des Gemäldes, das sich heute im Szépmüvészeti Múzeum in Budapest befindet. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unserer Monographie zu Antonio del Castillo hielten wir das Budapester Werk für jenes aus der Sammlung Pereire, das Charles Blanc für seine „Histoire des peintres de toutes les Ecoles" (Geschichte der Maler aller Schulen) in Kupfer stach. Allerdings legen die Entdeckung dieser neuen Version und vor allem das plausible Detail der Pereire-Provenienz – in schwarzem Stift und altmodischer Handschrift auf dem Spannrahmen – nahe, dass es sich bei dem Werk, von dem Blanc seinen Stich anfertigte, tatsächlich um das vorliegende Gemälde handelt. Als wir uns mit dem Budapester Gemälde befassten, wiesen wir darauf hin, dass das Gesicht des heiligen Franziskus auf Blancs Stich in Vorderansicht zu sehen ist und er das Kruzifix aus einer Pose her aus ansieht, die sich von der auf dem Budapester Werk unterscheidet. Auf dem Berliner Bild entspricht die Kopfposition exakt der auf dem Stich, weshalb wir nunmehr davon ausgehen, dass es sich bei dem 1869 gestochenen Gemälde in Wirklichkeit um das vorliegende Werk handelt.
Als Blanc seinen Stich anfertigte, hielt man das Gemälde für ein Werk Luis Tristáns, da es anscheinend signiert war, wie der Katalog der Pereire-Auktion aus dem Vorjahr auswies.
Es ist kein Zufall, dass ein Teil der Beschreibung im Auktionskatalog mit schwarzem Stift auf den Spannrahmen übertragen wurde. Die apokryphe Signatur – falls sie überhaupt je hinzugefügt wurde – muss irgendwann entfernt worden sein. Als Sabine Jacob dieses Gemälde anhand des Drucks aus dem 19. Jahrhundert behandelte, bildete sie Blancs Stich ab und erwähnte seine kompositorischen Übereinstimmungen mit Ludovico Cigolis Darstellungen des Heiligen.
Wie bereits in der Monographie zu Luis Tristán dargelegt, steht diese Komposition tatsächlich in keinerlei Verbindung zu dem Maler aus Toledo. Als das erste Gemälde auf dem Madrider Kunstmarkt auftauchte und für das Museum in Budapest erworben wurde, veröffentlichte Eva Nyerges einen ersten Artikel, in dem sie es dem Künstler Antonio del Castillo aus Córdoba zuschrieb. In der Tat tragen sowohl die Landschaft als auch die Mönchskutte und das Gesicht des Heiligen die unverwechselbare Handschrift Antonio del Castillos, wie wir in unserer eigenen Monographie dargelegt haben. Darüber hinaus ist auf einer Castillo-Zeichnung in der Biblioteca Nacional de España eine ähnliche Komposition zu sehen. Die größte Übereinstimmung mit der Ausführung und sogar der Mimik dieser zweiten Version findet sich beim „Heiligen Franziskus im Gebet" im Kapuzinerinnenkloster La Coruña in Oleiros.
Was die Qualität der beiden Versionen angeht, so kam ich bei der Analyse anhand von Fotografien zu dem Schluss, dass das Budapester Gemälde frischer und reicher strukturiert ist, wohingegen das vorliegende an bestimmten Stellen etwas weniger detailliert scheint; daher gehe ich davon aus, dass es von Castillo selbst gemalt wurde, und zwar auf Grundlage des Budapester Werks, das somit die frühere Version wäre. Hier wären allerdings auch sein problematischer Erhaltungszustand und Bereiche, in denen die Farboberfläche abgerieben ist, zu erwähnen. Die Qualitätsunterschiede offenbaren sich vor allem im Gesicht und am Bart des heiligen Franziskus, am abgeschnittenen Ast neben dem Kruzifix und an der Ausarbeitung der Bücher und des Ciliciums. All diese Elemente, wie auch die üppige Hintergrundlandschaft, sind auf dem Budapester Werk deutlich vollendeter; der gekreuzigte Christus erscheint jedoch auf der Berliner Version viel körperlicher und beeindruckender. Deren Röntgenaufnahmen offenbaren die herausragenden Grundeigenschaften. Die sorgfältige Restaurierung hat neue Merkmale der Originalpigmente zutage gefördert – besonders an der Mönchskutte mit ihren Flicken und dem plastischen Faltenwurf – und ein kleiner Farbverlust ist unter UV-Licht am Kopf des heiligen Franziskus sichtbar. Die begrünte Hintergrundlandschaft und die zahlreichen Bäume sind für Antonio del Castillos OEuvre besonders bemerkenswert: Die olivgrünen, gelblichen und erdigen Farben, die das Budapester Werk auszeichnen, finden sich im rechten Teil dieses Bildes wieder, auch wenn die Zweige des Baumes oben rechts einige Blätter verloren haben und auch das Laub unter dem Cilicium auf der Budapester Version dichter ist. Der schräg liegende Schädel auf den Büchern im Vordergrund findet sich auch auf verschiedenen Werken des Künstlers wieder. Ein Vergleich der Schädel auf den Gemälden in Berlin und Budapest offenbart bei ersterem eine etwas weniger detaillierte Ausführung, was jedoch möglicherweise auf den erwähnten Farbabrieb zurückzuführen ist. Der größte Qualitätsunterschied zeigt sich wahrscheinlich im Gesicht des heiligen Franziskus, wiewohl die Lichtreflexion auf der Iris bei beiden Werken identisch ist.| Benito Navarrete Prieto
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This St Francis kneeling in prayer before the crucifix, leaning on a rock amid a landscape in evening light, is another version of the painting now held by the Szépmúvészeti Múzeum in Budapest. When we published our monograph on Antonio del Castillo, we considered the Budapest painting to be the work from the Pereire collection which was engraved by Charles Blanc. However, the discovery of this new version and, above all, the absolutely plausible detail of the Pereire provenance in old-fashioned handwriting in pencil on the stretcher suggests that the work Blanc engraved in his "Histoire des peintres de toutes les Ecoles" is in fact the present painting. When we studied the Budapest painting, we pointed out that, in Blanc’s engraving, the head of St Francis was shown full-face and gazing at the crucifix, in a pose that differed from that shown in the Budapest painting. In this new work, the position of the head exactly matches Blanc’s engraving, which leads us to think that the painting engraved in 1869 was in fact the canvas shown here.
When Blanc made his engraving, the painting was believed to be by Luis Tristán, since it appears to have been signed, as stated the previous year in the catalogue of the Pereire sale. It is no coincidence that part of the description provided in the sale catalogue was copied in pencil on the painting’s stretcher. The apocryphal signature – if Luis Tristán’s signature was really added – must have disappeared at some point. When Sabine Jacob studied this painting – through the nineteenth-century print – she reproduced Blanc’s engraving and mentioned its compositional similarities to Cigoli’s depictions of the saint.
As has been stressed in the monograph on Luis Tristán, this composition in fact has nothing to do with the Toledan painter. When the first painting appeared on the Madrid market and was acquired by the Budapest museum, Eva Nyerges published an initial article attributing it to the Cordovan painter Antonio del Castillo. Indeed, both the landscape and the rendering of St Francis’s habit and face bear the unmistakable stamp of Antonio del Castillo, as we pointed out in our own monograph. Additionally, a drawing by Castillo held by the Biblioteca Nacional displays a similar composition. The greatest similarity in the style of execution, even in the face of this second version, is found in the "St Francis in Prayer" in the convent of Capuchin nuns of La Coruña in Oleiros.
The next issue to address is the quality of the two versions. Analysing the two works from photographs, we have reached the conclusion that the Budapest painting is fresher and more richly textured, whereas the present work is somewhat less detailed in certain parts; we therefore believe that it was painted by Castillo himself based on the Budapest work, which would have been the earlier version. To this circumstance should be added the conservation problems and areas where the paint surface is abraded. The differences in quality are seen chiefly in St Francis’s face and beard, the cut tree branch by the crucifix, and the quality of the books and the cilice. All these elements, like the lush background landscape, are much more accomplished in the Budapest work; however, the crucified Christ is much more corporeal and powerful in the Berlin version. The X-ray images made of the present version reveal the excellent underlying qualities. Careful restoration work has revealed new features of the original pigments, especially in the habit with its darns and sculptural folds, and a small loss of paint is visible in St Francis’s head when viewed under ultraviolet light. The leafy background landscape and the masses of trees are particularly significant in Antonio del Castillo’s oeuvre: the olive green, yellowish and earthy colours which are characteristic of the Budapest work reappear in the right-hand portion of this picture, though the branches of the tree in the upper right part have lost some of their leaves, and the foliage below the cilice too is denser in the Budapest version. The tilted skull on the books in the foreground is also a common feature of several of the artist’s works. A comparison of the skull in the Berlin and Budapest paintings reveals a slightly briefer style of execution in the present work, though this may possibly be due to the abovementioned abrasion. The greatest difference in quality is probably found in St Francis’s face, though the reflected light on the iris is identical.| Benito Navarrete Prieto

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Bildnis einer vornehmen genuesischen Dame

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Als die Bildnisse von Alessandro Giustiniani-Longo und seiner vermeintlichen Ehefrau (Kat.Nr. 782C) 1901 als Pendants in die Gemäldegalerie gelangten, hatten sie bereits eine lange gemeinsame Geschichte hinter sich. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts befanden sie sich im Besitz von Costantino Balbi (1676-1740) in Genua, der das Frauenporträt vermutlich von Giovanni Luca Spinola, das des Mannes von Alessandro Saluzzo und seinen Brüdern erworben hatte. Beide Porträts dürften etwa zur selben Zeit, um 1622/23, von Anton van Dyck während seines Aufenthaltes in Italien (1621-1627) in Genua gemalt worden sein. Auf den Bildern treten dem Betrachter ausdrucksstarke, faszinierende Persönlichkeiten entgegen, in beiden Fällen wiedergegeben in Lebensgröße und in sitzender Haltung. Es verwundert daher kaum, dass man für mehr als 200 Jahre annahm, es handle sich bei den Porträts um die Darstellung eines Ehepaares. Wie die Forschung gezeigt hat, trifft diese Annahme jedoch nicht zu. Bei dem Bildnis des alten Mannes handelt es sich um den genuesischen Senator Alessandro Giustiniani-Longo (1544-1631), der um 1622/23 bereits weit in den Siebzigern war. Er entstammte einer alteingesessenen und hoch angesehenen, genuesischen Familie. Von 1611 bis 1613 bekleidete er das höchste Amt, das der aristokratisch konstituierte, ligurische Stadtstaat zu vergeben hatte: das des Dogen. 1613 wurde er schließlich auf Lebenszeit Prokurator (Sachverwalter für Finanzen) der Genueser Republik. Das gerollte Papier in der Rechten des Mannes sowie sein ebenso herrisch wie misstrauischer Blick scheinen dieser Position, deren Ausübung Unbestechlichkeit voraussetzte, zu entsprechen. Auch die von ihm getragene schwarze Kappe weist bereits auf eine offizielle Bestimmung seiner Person hin. Im Falle des Frauenbildnisses ist eine eindeutige Identifizierung der Dargestellten dagegen bislang nicht gelungen. Die von ihr getragene, auf der Stirn spitz zulaufende Haartracht verweist jedoch auf ihren Status als Witwe, was eine Zuordnung der beiden Porträts als Ehepaar sehr unwahrscheinlich macht. Zudem belegt eine Kopie des Bildes aus dem 17. Jahrhundert, dass das Werk ursprünglich nach links hin breiter angelegt war und erst nachträglich beschnitten und so dem Männerporträt angeglichen wurde. Auch widersprechen die unterschiedlichen Schauplätze und ihre spezifische Ausstattung sowie der Umstand, dass die Frau deutlich höher im Bild sitzt als der Mann, der Annahme, es handle sich hierbei um zusammengehörige Pendants. Porträts dieser Art verhalfen van Dyck zu weit verbreiteter Anerkennung und zu reichen Aufträgen durch die Familien des Adels, für die er vornehmlich gearbeitet hat. Ausgehend von Rubens, in dessen Antwerpener Atelier er als blutjunger, genialer Künstler im Alter von 17 Jahren eingetreten war, aber auch im Rückgriff auf den höfischen Porträtstil Tizians, entwickelte er jenen vornehm-gelassenen, distanzierten Ausdruck, der die Vorstellung vom aristokratischen Menschenbild für seine Zeit außerordentlich geprägt hat. Die Werke verblieben lange im Palazzo Balbi in Genua. 1828 wurden sie, durch Vermittlung des Malers David Wilkie, von dem englischen Sammler Sir Robert Peel erworben und gelangten aus dessen Hinterlassenschaft, die 1900 versteigert wurde, schließlich nach Berlin. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________________________________________When the Gemäldegalerie received these two portraits as companion pieces in 1901, they already had a long common history behind them. At the beginning of the 18th century, the two portraits were owned by Costantino Balbi (1676–1740) in Genoa; he is believed to have purchased the portrait of the woman from Giovanni Luca Spinola, and that of the man from Alessandro Saluzzo and his brothers. Both portraits are very likely to have been painted in Genoa by Anton van Dyck around the same time – 1622–23 – during the artist’s stay in Italy (1621–27). Both portraits show very individual, compelling personalities; both are depicted in life-size and shown seated. It is unsurprising that for over 200 years it was assumed that these two pictures were portraits of a married couple. However, historical records show that this is not the case.The painting of the man is the portrait of the Genoese senator Alessandro Giustiniani- Longo (1544–1631), who was in his late seventies around 1622–23. He belonged to an ancient and very noble Genoese family. Between 1611 and 1613, he held the highest office that the oligarchic merchant city-state in Liguria had: that of the Doge. In 1613, he was appointed Procurator of the Genoese Republic, a life-long office that put him in charge of finances. The rolled document in his right hand and his imperious and suspicious gaze appear to correspond to this position, which presupposed incorruptibility. The black cap on his head also illustrates that the sitter holds a public office. In contrast, the identity of the woman remains uncertain. Her hairstyle with the lacy ornament on her forehead indicates that she is a widow, thus making it unlikely that the two portraits are pictures of a married couple. In addition, a copy of the portrait made in the 17th century shows that the picture was originally wider, and that a section on the left side was removed at a later point, presumably to make it match the portrait of the man. The different settings and the furnishing details, as well as the fact that the woman is sitting higher than the man also challenge the assumption that these are companion portraits.For Anton van Dyck, portraits such as these were useful in building his reputation as a portrait painter and gaining commissions from aristocratic families, who were his main clients. Inspired originally by Rubens, whose Antwerp studio he had joined as a young but precociously talented painter aged 17, and also by the courtly portrait style of Titian, van Dyck developed a distinguished, serene and distant expression which decisively influenced the idea of what an aristocrat should look like.The paintings remained in the Palazzo Balbi in Genoa for many decades. In 1828, they were acquired by the English collector Sir Robert Peel, through the mediation of the painter David Wilkie, and finally arrived in Berlin from his estate, which was sold at auction in 1900. Jan Kelch und Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019