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Der heilige Franziskus betend

Ident. Nr.: KFMV.299

ObjID: obj:1841071

Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Antonio del Castillo y Saavedra (1616 - 1668),
Maler*in
frühere Zuschreibung: Luis Tristán de Escamilla (1601-1624),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1655/60
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der heilige Franziskus betend
Übersetzung: Saint Francis Praying
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 164 x 107 cm
Erwerbung
2010 Ankauf durch Prof. Wolfgang und Elisabeth Hänsch, Meißen

Objektbeschreibung

Dieser auf Knien vor dem Kruzifix betende Franziskus, der in einer vom Abendlicht beschienenen Landschaft an einem Felsen lehnt, ist eine Version des Gemäldes, das sich heute im Szépmüvészeti Múzeum in Budapest befindet. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unserer Monographie zu Antonio del Castillo hielten wir das Budapester Werk für jenes aus der Sammlung Pereire, das Charles Blanc für seine „Histoire des peintres de toutes les Ecoles" (Geschichte der Maler aller Schulen) in Kupfer stach. Allerdings legen die Entdeckung dieser neuen Version und vor allem das plausible Detail der Pereire-Provenienz – in schwarzem Stift und altmodischer Handschrift auf dem Spannrahmen – nahe, dass es sich bei dem Werk, von dem Blanc seinen Stich anfertigte, tatsächlich um das vorliegende Gemälde handelt. Als wir uns mit dem Budapester Gemälde befassten, wiesen wir darauf hin, dass das Gesicht des heiligen Franziskus auf Blancs Stich in Vorderansicht zu sehen ist und er das Kruzifix aus einer Pose her aus ansieht, die sich von der auf dem Budapester Werk unterscheidet. Auf dem Berliner Bild entspricht die Kopfposition exakt der auf dem Stich, weshalb wir nunmehr davon ausgehen, dass es sich bei dem 1869 gestochenen Gemälde in Wirklichkeit um das vorliegende Werk handelt.
Als Blanc seinen Stich anfertigte, hielt man das Gemälde für ein Werk Luis Tristáns, da es anscheinend signiert war, wie der Katalog der Pereire-Auktion aus dem Vorjahr auswies.
Es ist kein Zufall, dass ein Teil der Beschreibung im Auktionskatalog mit schwarzem Stift auf den Spannrahmen übertragen wurde. Die apokryphe Signatur – falls sie überhaupt je hinzugefügt wurde – muss irgendwann entfernt worden sein. Als Sabine Jacob dieses Gemälde anhand des Drucks aus dem 19. Jahrhundert behandelte, bildete sie Blancs Stich ab und erwähnte seine kompositorischen Übereinstimmungen mit Ludovico Cigolis Darstellungen des Heiligen.
Wie bereits in der Monographie zu Luis Tristán dargelegt, steht diese Komposition tatsächlich in keinerlei Verbindung zu dem Maler aus Toledo. Als das erste Gemälde auf dem Madrider Kunstmarkt auftauchte und für das Museum in Budapest erworben wurde, veröffentlichte Eva Nyerges einen ersten Artikel, in dem sie es dem Künstler Antonio del Castillo aus Córdoba zuschrieb. In der Tat tragen sowohl die Landschaft als auch die Mönchskutte und das Gesicht des Heiligen die unverwechselbare Handschrift Antonio del Castillos, wie wir in unserer eigenen Monographie dargelegt haben. Darüber hinaus ist auf einer Castillo-Zeichnung in der Biblioteca Nacional de España eine ähnliche Komposition zu sehen. Die größte Übereinstimmung mit der Ausführung und sogar der Mimik dieser zweiten Version findet sich beim „Heiligen Franziskus im Gebet" im Kapuzinerinnenkloster La Coruña in Oleiros.
Was die Qualität der beiden Versionen angeht, so kam ich bei der Analyse anhand von Fotografien zu dem Schluss, dass das Budapester Gemälde frischer und reicher strukturiert ist, wohingegen das vorliegende an bestimmten Stellen etwas weniger detailliert scheint; daher gehe ich davon aus, dass es von Castillo selbst gemalt wurde, und zwar auf Grundlage des Budapester Werks, das somit die frühere Version wäre. Hier wären allerdings auch sein problematischer Erhaltungszustand und Bereiche, in denen die Farboberfläche abgerieben ist, zu erwähnen. Die Qualitätsunterschiede offenbaren sich vor allem im Gesicht und am Bart des heiligen Franziskus, am abgeschnittenen Ast neben dem Kruzifix und an der Ausarbeitung der Bücher und des Ciliciums. All diese Elemente, wie auch die üppige Hintergrundlandschaft, sind auf dem Budapester Werk deutlich vollendeter; der gekreuzigte Christus erscheint jedoch auf der Berliner Version viel körperlicher und beeindruckender. Deren Röntgenaufnahmen offenbaren die herausragenden Grundeigenschaften. Die sorgfältige Restaurierung hat neue Merkmale der Originalpigmente zutage gefördert – besonders an der Mönchskutte mit ihren Flicken und dem plastischen Faltenwurf – und ein kleiner Farbverlust ist unter UV-Licht am Kopf des heiligen Franziskus sichtbar. Die begrünte Hintergrundlandschaft und die zahlreichen Bäume sind für Antonio del Castillos OEuvre besonders bemerkenswert: Die olivgrünen, gelblichen und erdigen Farben, die das Budapester Werk auszeichnen, finden sich im rechten Teil dieses Bildes wieder, auch wenn die Zweige des Baumes oben rechts einige Blätter verloren haben und auch das Laub unter dem Cilicium auf der Budapester Version dichter ist. Der schräg liegende Schädel auf den Büchern im Vordergrund findet sich auch auf verschiedenen Werken des Künstlers wieder. Ein Vergleich der Schädel auf den Gemälden in Berlin und Budapest offenbart bei ersterem eine etwas weniger detaillierte Ausführung, was jedoch möglicherweise auf den erwähnten Farbabrieb zurückzuführen ist. Der größte Qualitätsunterschied zeigt sich wahrscheinlich im Gesicht des heiligen Franziskus, wiewohl die Lichtreflexion auf der Iris bei beiden Werken identisch ist.| Benito Navarrete Prieto
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This St Francis kneeling in prayer before the crucifix, leaning on a rock amid a landscape in evening light, is another version of the painting now held by the Szépmúvészeti Múzeum in Budapest. When we published our monograph on Antonio del Castillo, we considered the Budapest painting to be the work from the Pereire collection which was engraved by Charles Blanc. However, the discovery of this new version and, above all, the absolutely plausible detail of the Pereire provenance in old-fashioned handwriting in pencil on the stretcher suggests that the work Blanc engraved in his "Histoire des peintres de toutes les Ecoles" is in fact the present painting. When we studied the Budapest painting, we pointed out that, in Blanc’s engraving, the head of St Francis was shown full-face and gazing at the crucifix, in a pose that differed from that shown in the Budapest painting. In this new work, the position of the head exactly matches Blanc’s engraving, which leads us to think that the painting engraved in 1869 was in fact the canvas shown here.
When Blanc made his engraving, the painting was believed to be by Luis Tristán, since it appears to have been signed, as stated the previous year in the catalogue of the Pereire sale. It is no coincidence that part of the description provided in the sale catalogue was copied in pencil on the painting’s stretcher. The apocryphal signature – if Luis Tristán’s signature was really added – must have disappeared at some point. When Sabine Jacob studied this painting – through the nineteenth-century print – she reproduced Blanc’s engraving and mentioned its compositional similarities to Cigoli’s depictions of the saint.
As has been stressed in the monograph on Luis Tristán, this composition in fact has nothing to do with the Toledan painter. When the first painting appeared on the Madrid market and was acquired by the Budapest museum, Eva Nyerges published an initial article attributing it to the Cordovan painter Antonio del Castillo. Indeed, both the landscape and the rendering of St Francis’s habit and face bear the unmistakable stamp of Antonio del Castillo, as we pointed out in our own monograph. Additionally, a drawing by Castillo held by the Biblioteca Nacional displays a similar composition. The greatest similarity in the style of execution, even in the face of this second version, is found in the "St Francis in Prayer" in the convent of Capuchin nuns of La Coruña in Oleiros.
The next issue to address is the quality of the two versions. Analysing the two works from photographs, we have reached the conclusion that the Budapest painting is fresher and more richly textured, whereas the present work is somewhat less detailed in certain parts; we therefore believe that it was painted by Castillo himself based on the Budapest work, which would have been the earlier version. To this circumstance should be added the conservation problems and areas where the paint surface is abraded. The differences in quality are seen chiefly in St Francis’s face and beard, the cut tree branch by the crucifix, and the quality of the books and the cilice. All these elements, like the lush background landscape, are much more accomplished in the Budapest work; however, the crucified Christ is much more corporeal and powerful in the Berlin version. The X-ray images made of the present version reveal the excellent underlying qualities. Careful restoration work has revealed new features of the original pigments, especially in the habit with its darns and sculptural folds, and a small loss of paint is visible in St Francis’s head when viewed under ultraviolet light. The leafy background landscape and the masses of trees are particularly significant in Antonio del Castillo’s oeuvre: the olive green, yellowish and earthy colours which are characteristic of the Budapest work reappear in the right-hand portion of this picture, though the branches of the tree in the upper right part have lost some of their leaves, and the foliage below the cilice too is denser in the Budapest version. The tilted skull on the books in the foreground is also a common feature of several of the artist’s works. A comparison of the skull in the Berlin and Budapest paintings reveals a slightly briefer style of execution in the present work, though this may possibly be due to the abovementioned abrasion. The greatest difference in quality is probably found in St Francis’s face, though the reflected light on the iris is identical.| Benito Navarrete Prieto

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Eislandschaft mit Schlitten und eingefrorenen Booten

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Isaac van Ostade kreierte in der Berliner Winterlandschaft ein poetisches Stimmungsbild, das eine vermeintliche Alltagsszene zeigt. Eingefasst von dem kahlen Geäst eines Baumes rechts und einigen Bootsmasten zur Linken, gibt das Bild den Blick auf die eisbedeckte Fläche eines zugefrorenen Binnengewässers frei. Die dargestellten, mit Lasten schwer beladenen Schlitten werden von Hand über das Eis geschoben oder von Pferden gezogen. Was im Sommer durch Schiffe, die nun festgefroren im Eis liegen, einfach zu transportieren ist, muss im Winter mühselig befördert werden. Im Hintergrund der Szene sind silhouettenhaft Spaziergänger und Schlittschuhläufer zu erkennen. Im Gegensatz zu den sehr summarisch angelegten Figuren, deren Formen nur sehr grob angelegt sind, treten die aufgeworfenen Schneereste, die Ufergräser und Zweige des Baumes, in feinmalerischer Prägnanz hervor. Auf diese Weise schafft Ostade eine atmosphärisch überzeugende Darstellung der im 17. Jahrhundert noch wenig menschenfreundlichen Jahreszeit des Winters. Einige wenige Lokalfarben in der vorderen Zone – das gedeckte Karminrot eines Rockes, etwas Zitronengelb unter dem stumpfen Blau einer Mütze oder das pastose Weiß eines Schimmels – lösen sich in perspektivisch differenzierter Abfolge in den weich verfließenden Brauntönen von Mittel- und Hintergrund auf. Das Landschaftliche beherrscht das Blickfeld. Dabei gehörte Isaacs Vorliebe der Figuren- bzw. Genremalerei. In Anlehnung an seinen älteren Bruder Adriaen, dessen Schüler er war, bevorzugte er Themen aus dem bäuerlichen Alltagsleben. Nehmen die Figurenszenen in seinen früheren Bildern einen großen Stellenwert ein, so gewinnt die Landschaft in den späteren Werken zunehmend an Bedeutung. Winterlandschaften und der Halt vor einem Wirtshaus gehören dabei zu den Hauptsujets des bereits mit 28 Jahren verstorbenen Malers. Am Ende von Ostades künstlerische Entwicklung entstanden Werke, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Figur und Landschaft zeigen. Die Grenzen zum Landschaftsfach hat der spezialisierte Genremaler jedoch nur selten überschritten. Aber gerade seine Tätigkeit auf diesem Gebiet hat herausragende Leistungen hervorgebracht. Denn die von graulilafarbenen Wolkenzügen und frostigem Himmelsblau überspannte Eisansicht erschöpft sich nicht allein in realistischer Wiedergabe der heimischen Natur, sondern erweist sich in den behutsam nuancierten Licht- und Tonwerten als ein poetisch gesteigertes Stimmungsbild. Der berührende Ausdrucksgehalt des Bildes, der an Rembrandts Winterlandschaft von 1647 (Kassel, Staatliche Kunstsammlungen) denken lässt, macht deutlich, welchen Verlust die holländische Malerei durch den frühen Tod Isaac van Ostades erlitten hat. Katja Kleinert und Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: Isack .ostade___________________________________________________________________In this winter landscape, Isaac van Ostade created a poetic mood showing what appears to be an everyday scene. Framed by the bare branches of a tree on the right and several boats’ masts on the left, the painting opens a view of the ice-covered surface of a body of water that has frozen over. Heavily laden sledges are being pushed across the ice by hand or pulled by horses. What can easily be transported in summer by ships that now lie in the ice, frozen fast, has to be moved laboriously in winter. In the background, the silhouettes of people walking and skating can be made out. In contrast to the figures, which are delineated very sketchily with forms only depicted roughly, the piled-up remains of snow, the grasses on the banks and the branches of the tree are painted with fine clarity. In this way, Ostade creates an atmospherically convincing representation of winter, a season that was still hostile to humans in the 17th century. A very few patches of local colour in the foreground zone – the muted crimson of a coat, some lemon yellow beneath the matt blue of a cap and the pastose white of a horse – dissolve in a differentiated perspectival sequence into the softly blurring shades of brown of the middle ground and the distance. The landscape element dominates the view.Despite this, Isaac van Ostade’s preference was for painting figures and genre scenes. Following his older brother Adriaen, who was his teacher, he had a liking for subjects from everyday rustic life. 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The touching expressiveness of the work, which is reminiscent of Rembrandt’s winter landscape of 1647 (Kassel,Staatliche Kunstsammlungen), emphasises how great a loss to Dutch painting the early death of Isaac van Ostade was. Katja Kleinert und Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Maria mit dem Kind

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Seit dieses anmutige Bild 1823 erstmals in Berlin inventarisiert wurde, hat man es um das Jahr 1500 datiert und zunächst mit der venezianischen, dann mailändischen Schule in Verbindung gebracht. Stilistische Vergleiche legten eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Stil von Ambrogio Bergognone nahe, während eine andere Einschätzung eher auf die Schule von Verona hindeutete, und auf Paolo Morando, genannt Cavazzola. Die Zuschreibung an Johannes Hispanus stammt von Federico Zeri und unabhängig davon von Franco Moro. Giovanni Romano fasst hervorragend die Stilelemente zusammen und verortet die Maria mit dem Kind zwischen Ferrara (mit Ortolano und Niccolò Pisano) und Cremona (mit Boccaccio Boccaccino). Sowohl die Landschaft als auch die glänzenden Stoffe, etwa der Umhang der Jungfrau Maria, zeigen eine Nähe zu Malern aus dem Gebiet von Venedig, nicht nur zu Giorgione, sondern insbesondere auch zu Dosso Dossi, Romanino und Tizian, was die geografische Zuordnung unterstützt. Die klar erkennbaren Ähnlichkeiten zwischen dieser Arbeit und einer von Johannes Hispanus signierten Grablegung in der Sammlung Saibene in Mailand bestätigen die Zuschreibung der Tafel zu diesem Maler. Allerdings fand das Berliner Werk in der Literatur zu Johannes Hispanus zunächst nur wenig Beachtung. Dies änderte sich erst mit der ersten Monografie über den Maler von Stefania Castellana (2017), die für diese Tafel eine Datierung zwischen 1502 und 1504 anregt; als Grund nennt sie die stilistische Nähe zur Jungfrau Maria auf dem Altarbild von Boccaccino in der Kirche San Zulian in Venedig (um 1502), während Gestalt und Antlitz denen der Meister von Ferrara und insbesondere von Niccolò Pisano ähneln. Zugleich erinnert die typisch puppenartige, wie eingefroren wirkende Darstellung des Jesuskindes an ein entsprechendes Detail auf dem später entstandenen Altarbild von Montecassiano in den Marken (1506–08). Sechzig Jahre nach seinem Erwerb zusammen mit der Sammlung Solly wurde das Bild, nachdem es 1830 nur einige Jahre in der Berliner Galerie zu sehen gewesen war, 1884 an das Provinzialmuseum in Hannover und dann 1912 an das Landesmuseum der Provinz Westfalen in Münster gegeben. 1942 kehrte es nach Berlin zurück.__________________________________________________________________Ein erlesenes Werk des ´Johannes Hispanus`, einem Maler aus Spanien (Valencia) mit stilistischem Bezug zur Toskana (Piero di Cosimo), der Lombardei (Luini), zu Venedig (Boccaccino, Giovanni Agostino da Lodi) und Ferrara (Nicola Pisano, Garofalo, Ortolano) aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Die starken italienischen Einflüsse haben Teile der Krtiker gespalten, so glauben manche Kunsthistoriker eher an die Autorschaft eines italienischen Malers.

Die Venezianerin (Heilige Maria Magdalena)

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Die früheren Fassungen in London (The National Gallery), Florenz (Gallerie degli Uffizi) und Los Angeles (J. Paul Getty Museum) geben links unten statt der Signatur das Salbgefäß vor dem offenen Grab. Im Berliner Gemälde fehlt dieses Attribut der Magdalena, und es wird die Identität der Dargestellten bewusst offengelassen. Es bleibt das verwirrende Spiel mit dem halb abgewandten, aber aus dem Bild schauenden Gesicht der ansonsten verhüllten, jedoch durch das Licht und Gold des Gewands aufs Äußerste hervorgehobenen Frau. Die Mauer verstärkt noch ihre Dominanz, verstellt dem Blick des Betrachters die Flucht. Im Londoner Gemälde schimmert der Stoff silbern – vielleicht als Abglanz des Auferstandenen. Die scheinbar dickere Oberfläche im Berliner Bild lässt beinah an eine Metallfolie denken. | Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten links an der Mauer: Joanes Jeroni̅us / Savoldus. de / brisia / faciebat._________________________________________Earlier versions of this work in London (The National Gallery), Florence (Gallerie degli Uffizi) and Los Angeles (J. Paul Getty Museum) depict a vessel of ointment before the open tomb in the bottom left-hand corner, rather than a signature. This attribute of Mary Magdalene is missing in the Berlin painting; thus the subject’s identity is deliberately ambiguous. What we see, then, is a bewildering game played with the veiled face of the woman, whose image is powerfully highlighted by the light and gold of her garments. The wall further increases her dominance of the picture, as it does not allow the viewer’s eye to escape. In the London picture the fabric has a silver sheen—perhaps as a reflection of the risen Christ. The dense surface of the Berlin painting almost suggests metal foil. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017

Thronende Maria mit dem Kind

Thronende Maria mit dem Kind

Schützend hält die Jungfrau Maria ihren Sohn Jesus, während sie gleichzeitig eine Rose von ihm fernhält. Trotz ihres Ausdrucks tiefster Schwermut hat sie die fundamentale Aufgabe angenommen, ihren Sohn auf seinem Weg zu begleiten. Der Jesusknabe wiederum hält lächelnd zwei Weinbeeren in der linken Hand. Sie verweisenebenso wie die Rose auf seinen künftigen Leidensweg: Der Rosenzweig deutet symbolisch auf die Dornenkrone hin, wohingegen die Trauben auf jene Episode beim Letzten Abendmahl anspielen, in der Jesus seinen Jüngern Wein reicht und dabei sagt: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.« (Lukas 22,20)Robust und majestätisch wie ein Thron wirkt Maria wie ein integraler Bestandteil der Architektur. Das rote Samtkleid spiegelt die Rottöne der Steine wider und ihr Umhang zeigt dieselbe umfassende Geste wie die hinter ihr liegende Nische. Gleich einem stützenden Schemel faltet er sich zugleich unter den Füßen des Kindes undbegrenzt die Intimität der mütterlichen Szene ebenso wie das Brüstungssims aus weißem Marmor den Vordergrund von der Landschaft im Hintergrund trennt. Nur ihr Blick erinnert uns daran, dass sie trotz dieser Transformation immer noch auch eine Mutter ist.Die leuchtende Farbpalette und der Zug zur exakten Wiedergabe der Details ließen anfänglich Flandern als Ursprungsort dieser Tafel vermuten. Auf einen italienischen Urheber schienen hingegen die Monumentalität der Figuren, das Einbinden architektonischer Ruinen und die elaborierte perspektivische Landschaftsdarstellunghinzudeuten. Die Lösung dieses Rätsels findet sich vermutlich in der Entwicklung der spanischen Malerei des 15. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum existierten auf der iberischen Halbinsel neben- und gegeneinander flämische und italienische Einflüsse, die sukzessive dem spanischen Geschmack angepasst und zu einer eigenenDarstellungsweise zusammengeführt wurden.Einer der Protagonisten dieses Prozesses war Pedro Berruguete, der um das Jahr 1445 nahe Palencia in Paredes de Nava geboren wurde und vermutlich 1503 in Madrid verstarb. Ausgebildet wurde er wahrscheinlich bei einem Meister der spanisch-flämischen Tradition mit guten Kenntnissen der aktuellen Entwicklungenin Flandern. Konkrete Anhaltspunkte für einen eigenen Aufenthalt Berruguetes in Flandern gibt es nicht, dafür deutet vieles darauf hin, dass er im Zeitraum zwischen etwa 1473/74 und 1483 am Hof Federico da Montefeltros in Urbino wirkte. Die um das Jahr 1475 datierte Tafel könnte somit von ihm in Italien gefertigt worden sein.Hierfür spricht auch das offenkundige Interesse an einer exakten Wiedergabe der verschiedenen Marmorsorten und der architektonischen Details, denn Vergleichbares findet sich in Berruguetes späteren, nach seiner Rückkehr in Kastilien geschaffenen Arbeiten nicht wieder. Das Bild hängt seit 2019 im spanischen Kabinett des Bode-Museums. Maria López-Fanjul | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________The Virgin Mary protectively holds her son Jesus, at the same time holding a rose away from him. Despite her expression of deep sadness, she has accepted her fundamental task of accompanying her son on his path. The Child, for his part, smiles and holds two grapes in his left hand. Like the rose, they point to his future suffering: the rose branch refers symbolically to his crown of thorns, the grapes to the episode at the Last Supper in which Jesus serves wine to his apostles, saying: “This cup is the new covenant in my blood, which is shed for you.” (Luke 22:20)Robust and majestic as a throne, Mary seems to be an integral part of the architecture. Her red velvet dress mirrors the red tones of the stones, and her cloak displays the same enclosing gesture as the niche behind her. Like a supporting stool, the cloak is also folded beneath the feet of the child, limiting the intimacy of the scene of mother and child, just as the white marble parapet separates the foreground from the landscape in the background. Only the look in Mary’s eyes reminds us that, despite this transformation, she is still a mother.The palette of glowing colours and the tendency to exact reproduction of detail initially led to the assumption that this panel was painted in Flanders. The monumentality of the figures, the incorporation of architectural ruins and the elaborate representation of the landscape in perspective, on the other hand, seemed to suggest an Italian artist. The solution to this riddle is probably to be found in the development of Spanish painting in the 15th century. In this period in the Iberian peninsula, there existed competing and co-existing Flemish and Italian influences, which were successively adapted to Spanish taste and combined to form a characteristically Spanish manner of depiction.One of the protagonists in this process was Pedro Berruguete, who was born in about 1445 in Paredes de Nava near Palencia and probably died in 1503 in Madrid. He was presumably trained by a master of the Spanish Flemish tradition who had a good knowledge of the latest developments in Flanders. There is no specific indication that Berruguete himself spent time in Flanders, but much to suggest that he was active at the court of Federico da Montefeltro in Urbino between 1473/74 and 1483. The panel dating from approximately 1475 could therefore have been painted by him in Italy. This is suggested by his obvious interest in the exact rendering of different kinds of marble and the architectural details, as comparable traits are not present in Berruguete’s later work, produced after his return to Castile. Since 2019, the picture hangs in the Spanish room of the Bode-Museum. Maria López-Fanjul | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019