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Fortitudo

Ident. Nr.: AE 648

ObjID: obj:1849845

Details (Expert)

Beteiligte
Andreas Schlüter (1660 - 1714),
Bildhauer*in
Datierung
um 1704
Systematik/Art
Material / Technik
Sandstein
Abmessungen
Höhe: 80 cm
Breite: 157 cm
Tiefe: 45 cm
Gewicht: 424 kg

Objektbeschreibung

Unter Andreas Schlüter, der 1694 vom Kurfürsten Friedrich III. als Hofbildhauer nach Berlin berufen wurde, entwickelte sich Berlin in eine Residenzstadt von europäischem Rang. Nach seinen Masken der sterbenden Krieger im Hof des Zeughauses wie auch dem Standbild Friedrich III. und dem Reiterdenkmal des ›Großen Kurfüsten‹, dessen Original heute vor dem Charlottenburger Schloss steht (und als Galvano Kopie in der Großen Kuppel des Bode-Museums), wurde ihm 1698 die Aufgabe des Schlossneubaues übertragen. Die beiden Lünettenreliefs der Herrschertugenden ›Stärke‹ und ›Gerechtigkeit‹ waren über den Fenstern zu Seiten des zum Lustgarten ausgerichteten Portals V angebracht. Sie gelangten nach der Sprengung des Schlosses in den Besitz der Berliner Museen und gehören zu dem Wenigen was sich am plastischen Schmuck des Schlosses erhalten hat.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Allegorie des Wahnsinns

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Die auf einem Segmentbogen lagernde Aktfigur eines kahlköpfigen, finster dreinblickenden Mannes scheint in einem Anfall von Wut mit weit geöffnetem Mund zu brüllen. Aufgrund seines unberechenbaren Temperaments sind die Hände an den Gelenken miteinander verkettet. Nicht nur der sanft geschwungene Giebel, auch die Komposition der darauf ausgestreckten Figur erinnert an Michelangelos lagernde, die Zeiten des Tages symbolisierende Gottheiten aus der Medici-Kapelle in San Lorenzo in Florenz. Insbesondere das Motiv des sich auf dem Unterarm stützenden Armes, der die Aufrichtung des Oberkörpers erlaubt, ist Michelangelos Figur des „Abends“ entlehnt.Das bei seiner Erwerbung 1908 zunächst noch Pietro Tacca (1577-1640) zugeschriebene Modell konnte inzwischen mit überzeugenden Argumenten dem dänischen und überwiegend in England tätigen Bildhauer Caius Gabriel Cibber zugewiesen werden. Die hier dargestelte Allegorie des Wahnsinns ist das Pendant zur Liegefigur der Melancholie, die der Bildhauer als Giebelfiguren für das Hauptportal des Royal Bethlem Hospitals in Moorfields schuf. Das 1247 in Bedlam, vor den Toren Londons gegründete Hospital war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts ein Heim für Geisteskranke. Als die Stadt 1666 einem Brand weitgehend zum Opfer fiel, ließ man zwischen 1674 bis 1676 einen Neubau nach den Plänen des Architekten Robert Hooke (1635-1703) außerhalb der Stadt in Moorfields errichten, wofür Cibber schließlich die beiden lebensgroßen Liegefiguren in Stein schuf. Bei dem hier ausgestellten Werk handelt es sich um einen ersten künstlerischen Entwurf des Künstlers.