Logo

Szene aus der "Geschichte vom Prinzen Genji": Miyuki

Ident. Nr.: 2009-115 b

ObjID: obj:1854711

Details (Expert)

Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Abmessungen
Bildmaß: 169,5 x 375 cm
Bildmaß: 169,5 x 63,5 cm (je Paneel)

Objektbeschreibung

Etwa hundert Jahre ihrem Erscheinen um das Jahr 1008 wurde die „Geschichte vom Prinzen Genji“ (j. Genji monogatari) mehrfach im Format narrativer Querrollen in leuchtenden Farben illustriert. Die hierbei entstandene Ikonographie diente als Vorlage für unzählige Adaptionen auf anderen Bildformaten wie Fächern, Albumblättern und Stellschirmen aber auch im Medium kunsthandwerklicher Erzeugnisse, darunter Lackobjekte, Keramiken und Textilien. Darüber hinaus spiegeln die Darstellungen der als außergewöhnlich attraktiv beschriebenen Protagonisten die Schönheitsideale der Entstehungszeit wider und prägen so die Bildkonventionen für die Charakterisierung modellhafter Menschen.
Im vorliegenden Paar illustriert der rechte Schirm das 14. Kapitel, Miotsukushi. Diese Episode erzählt von der Pilgerfahrt der männlichen Hauptfigur Genji zum Sumiyoshi-Schrein südlich von Osaka, wo es beinahe zu einer Begegnung mit der Dame Akashi kommt, einer seiner vielen ehemaligen Geliebten. Durch Goldwolken isoliert und zum Teil verdeckt, ist ihr Boot in einiger Entfernung von der Küste in der oberen rechten Ecke zu sehen. Das Hauptaugenmerk des Malers gilt jedoch dem imposanten Gefolge Genjis, das sich vor der Trommelbrücke formiert, dem Eingang des in der linken oberen Ecke ausführlich geschilderten Schreinbezirks. Auf dem linken Schirm windet sich die Prozession des Kaisers auf dem alljährlich im 12. Monat stattfindenden Ausflug nach Ōhara durch die Berge nördlich von Kyoto. Dieses Ereignis wird ausführlich im 29. Kapitel, Miyuki, geschildert.
Ein direkter inhaltlicher Zusammenhang zwischen den beiden illustrierten Episoden lässt sich nicht erkennen. Vermutlich diente das beiden Szenen gemeinsame Motiv der Prozession dem Maler als Vorwand, um das Interesse des Auftraggebers an höfischem Prunk zu befriedigen. Da die Bewegungsfreiheit des Kaisers im 17. Jahrhundert unter der Herrschaft der Tokugawa-Shogune erheblich eingeschränkt wurde, ist in dieser ausführlichen Darstellung aristokratischer Ausflüge möglicherweise auch eine politische Botschaft impliziert.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kaiserlicher Thronsitz

Kaiserlicher Thronsitz

Der Thronsitz und der zugehörige dreiteilige Paravent stellen unter den erhaltenen Arbeiten mit Perlmuttereinlagen aus den kaiserlichen Werkstätten das Hauptwerk der beginnenden Ära Kangxi (1662–1722) dar. Die reichen szenischen Darstellungen auf den goldgrundigen Bildfeldern der Schauseiten gelangen durch die virtuose Anwendung von zahllosen rosa, violett und grün changierenden Perlmutterteilchen (frz. laque burgautée) zu einem Farbspiel von grandioser Wirkung. Sie wird gesteigert durch die in großer Mannigfaltigkeit gestalteten Bordüren des Rahmenwerkes, die eine staunenswerte technische Meisterschaft und Größe des künstlerischen Entwurfs offenbaren. Die verschwenderische Fülle des Dekors dieses Ensembles bringt Wünsche für langes Leben und Glück verheißende Botschaften aller Art zum Ausdruck Das Hauptthema der Bildfelder auf den Innenseiten von Arm- und Rückenlehnen des Thronsitzes sowie der drei großen Bildfelder der Schauseite des Paravents ist das daoistische »Westliche Paradies«, das von Xiwangmu, der Königinmutter des Westens, beherrscht wird. Ausschnitthaft geben die Darstellungen auf dem Thronsitz die Gebirgs- und Seenlandschaft mit Terrassen, Pavillons und Palästen wieder, die auf dem Paravent in voller majestätischer Große erscheint. Gezeigt wird die Ankunft der Königinmutter des Westens, Xiwangmu, die auf einem Phönix reitend in die Paradieslandschaft herabkommt, wo die Unsterblichen ihrer harren. In den Darstellungen auf dem Thronsitz und dem Paravent erwarten sie die »Acht daoistischen Unsterblichen« an prominenter Stelle. Auf der Mitteltafel des Paravents sind sie auf der großen zentralen Terrasse vereint, zahlreiche weitere Unsterbliche beleben zu Wasser und zu Lande die paradiesische Landschaft. Auf den beiden Innenseiten der Thron-Armlehnen schreiten jeweils vier der »Acht daoistischen Unsterblichen« auf die zentrale Terrasse zu, wo die Göttin erwartet wird. Thronsitz und Paravent wurden 1924 durch einen französischen Kaufmann von chinesischen Vorbesitzern in Tianjin, Provinz Shandong, erworben. Wie aus einem damals beigegebenen chinesischen Dokument hervorgeht, stammt das Ensemble aus dem kaiserlichen Reisepalast von Panshan im Bezirk Jizhou, Provinz Zhili (heutige Provinz Hebei), den die Mandschu-Kaiser auf ihren Reisen in ihre Sommerfrische in Chengde, etwa 250 Kilometer nordöstlich von Beijing, benutzten. Unter den Kaisern Kangxi (reg. 1662–1722), Yongzheng (reg. 1723–1735) und Qianlong (reg. 1736–1795) erlebte China eine mehr als hundertjährige Blütezeit und erreichte die größte territoriale Ausdehnung in seiner Geschichte. Die Einzigartigkeit und Erhabenheit der Kaiser fand auch in der Bildkunst ihren Niederschlag. In vielfältigen Rollen kaiserlicher Repräsentation begegnen uns auf zahlreichen Bildern die Kaiser thronend in prächtiger Staatsrobe, bei kaiserlichem Zeremoniell, als Literaten und Connaisseure, als Jäger und auch als religiöse Heilsgestalt. Das Thema auf dem Thronsitz und Paravent lässt die herrscherliche Autorität der sich auf das Mandat des Himmels gründenden Regierung des Kaisers in besonderem Lichte erscheinen und unterlegt den Wunsch, dass sie ewig währen möge. Nahm der Kaiser auf dem Thronsitz Platz, saß er im Zentrum des Paradieses der Unsterblichen und wurde sozusagen ein Teil desselben. [SM8HF]