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Geburt Christi

Ident. Nr.: 5896

ObjID: obj:1860355

Details (Expert)

Datierung
Datierung: um 1420
Material / Technik
Walnußbaumholz, polychromiert
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 76,5 x 68 x 26,5 cm

Objektbeschreibung

Das große, zum Teil vollplastisch gearbeitete Relief zeigt einen sehr selten in dieser Dimension dargestellten Moment aus dem Wochenbett Maria, in dem das Jesuskind gebadet wird. Die gesamte Szene wird von einem relativ hohen schlichten Sockel getragen, der links nach vorn hin weit vorspringt, sodass die hier kniende Amme auf ihm Platz findet. Bildbeherrschend ist das massive und hohe Bett, das nach links, zum Kopfende hin, perspektivisch ansteigt und mit einem schweren Tuch bedeckt ist, dessen regelmäßig wellenförmige Falten weit, aber nicht bis zum Boden herabreichen. Auf dem Bett lagert Maria, von zwei Kissen am Kopfende gestützt und von einem Tuch bedeckt, dessen dünnerer Stoff durch Raffungen und Umschläge in lebendige Falten gelegt ist und unter dem sich Beine und rechter Fuß der Muttergottes abzeichnen.

Maria sitzt aufrecht, mit beiden Händen umfasst sie das nackte Kind und reicht es der Amme herab. Diese ist im Begriff, es mit emporgestreckten Armen behutsam entgegenzunehmen, indem sie das rechte Füßchen und die linke Hand ergreift. Die Übergabe ist ausgesprochen sorgfältig geschildert, das Kind noch nicht aus dem sichernden Griff der Mutter gelöst, die Entgegennahme durch die der Amme bahnt sich erst an. Dadurch berührt sie den Knaben eher, als dass sie ihn stützen würde, wozu auch das Ergreifen von Fuß und Hand – anstelle des Körperschwerpunkts – keineswegs geeignet wäre. Somit wirken die Berührungen der Amme eher wie Liebkosungen von Hand und Fuß Jesu.

Die Physiognomien sind genau ausgearbeitet, sodass sich die jeweilige seelische Verfassung, soweit sich dies noch sagen lässt, gut ablesen lässt. Das hohe, schöne Antlitz Marias konzentriert sich auf ihr Kind; es ist von hoheitsvoller Ruhe geprägt, allenfalls ein leichtes LäIcheln umspielt die Lippen. Ob auch eine melancholische Note mitschwang, wofür die Andeutung der Passion durch die Gestik spräche, lässt sich kaum noch sagen. Die Amme hingegen zeigt in Erwartung der Entgegennahme des Kindes ein freudvolles Gesicht. Am eindrucksvollsten aber ist wohl das Antlitz Josefs, das allein schon durch den mächtigen, anliegenden und sternförmig auf der Brust ausgebreiteten Bart viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Im Gesicht des deutlich als alter Mann charakterisierten Nährvaters spiegelt sich sein unruhiger Schlaf: Die Augenbrauen sind zusammengezogen, die Nasenwurzel liegt in Falten. Die auffällige Abwendung des Gesichts von der Badszene und die angedeutete Schrittstellung der wie inszeniert wirkenden Stiefel machen es sehr wahrscheinlich, dass die Josefsfigur motivisch und inhaltlich zu einer rechts anschließenden Szene überleiten sollte. Bei dieser kann es sich am ehesten um die Flucht nach Ägypten gehandelt haben; der unruhige Schlaf Josefs deutet auf das Erscheinen des warnenden Engels in seinem Traum (Mt 2,13), der ihm die Flucht befiehlt, worauf möglicherweise die Stiefel anspielen.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Letzte Aktualisierung: 26.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler