Logo

Vortragekreuz aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford

Ident. Nr.: 1888,636

ObjID: obj:1872317

Details (Expert)

Datierung
15. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: 37,2 x 32,4 x 2,6 cm (Höhe mit Dorn 47,5 cm)

Objektbeschreibung

Von sehr einfacher, anspruchsloser Form und in der Ausstattung ohne größeren Aufwand an Kunstfertigkeit und Zierat sind die untereinander weitgehend übereinstimmenden Vortragekreuze aus dem 15. Jahrhundert [Inv. Nr. 1888,636 und 1888,637]. Sie bestehen aus einem Holzkern, der an allen Seiten mit dünnem, glattem Silberblech beschlagen ist; die Vorderseiten säumen vergoldete, profilierte Leisten, die Kanten kleine Blattfriese. Die kleeblattförmigen Balkenenden schmücken kreisrunde, ebenfalls vergoldete Fassungen, in die kleine Plättchen mit Darstellungen der Symbole der Evangelisten in transluzidem Tiefschnittschmelz eingelassen sind. Die Emails sind an [diesem] Kreuz mit dünnen Hornplättchen überdeckt, am anderen mit Glas. Derartige Kreuze wurden in Prozessionen oder beim feierlichen Einzug in die Kirche vorangetragen. DK

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR